Trek to Yomi

   Von Miggi

Titelbild zu Trek to Yomi von Flying Wild Hog und Devolver Digital

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, dass mir Trek to Yomi das erste Mal ins Auge gesprungen ist. Während der E3-Summer Game Fest-alles rundherum-Trailer Party 2021 hat Devolver Digital das Spiel des polnischen Studios Flying Wild Hog, die man wohl am besten für ihre Shadow Warrior-Serie kennt, im Zuge ihrer Präsentation gezeigt. Der markante Schwarz-Weiß Look des Spiels ist damals nicht nur bei mir, sondern wie wir in unserer Podcast-Folge später rausgefunden haben, auch bei Bea und Yvonne sofort hängen geblieben und obwohl wir nicht viel über das Spiel wussten, haben wir uns alle sehr darauf gefreut. Als es nun im Mai Day One ins Angebot des Xbox Game Pass gerutscht ist, habe ich nicht lange gefackelt und es direkt installiert und gestartet.

Trek to Yomi spielt im Japan der Edo-Zeit, in der ein junger Krieger namens Hiroki Zeuge wird, wie sein Sensei von Räubern getötet wird, die sein Heimatdorf überfallen. Er schwört seinem Meister am Sterbebett, dass er in seine Fußstapfen treten und das Dorf und dessen Einwohner*innen in Zukunft beschützen wird. Leider wird er wenige Jahre später in einen Hinterhalt gelockt, in dem die selbe Räuberbande ihn von seinem Dorf wegbefördert, um dieses in Brand zu setzen und so gut wie alle zu töten. In guter alter und vor allem zum Look und Thema passender Rache-Story Manier macht ihr euch also als Hiroki auf, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Dojo in Trek to Yomi von Wild Flying Hog und Devolver Digital
Dojo heile.

Das Gameplay lässt sich relativ leicht runterbrechen. Ihr lauft die meiste Zeit mit eurem Katana von links nach rechts oder eben die andere Richtung während sich euch etliche Feinde in den Weg stellen. In manchen Gebieten könnt ihr den vorgegebenen Pfad auch manchmal verlassen und die Umgebung erkunden. So kommt es vor, dass ihr an einer Weggabelung 2 Wege zur Verfügung habt, von denen einer an den Gegner*innen vorbei führt und oft die Möglichkeit bietet, diese lautlos auszuschalten, während der andere Weg euch direkt in den Kampf laufen lässt. Immer wieder gibt es auch Abschnitte, in denen es mehr ums Erkunden geht, ihr so Collectibles oder Upgrades finden könnt oder Rätsel lösen müsst. Diese sind allerdings durch die Bank sehr einfach und absolut keine Herausforderung.

 

Apropos absolut keine Herausforderung - das Kämpfen in Trek to Yomi ist nicht nur unfassbar einfach, sondern über die circa sechs Stunden Spieldauer auch viel repititiver, als ich es mir im Vorfeld gewünscht habe. Im Grunde kommt man mit der Kombo, die man direkt im ersten Kampf-Tutorial lernt, durch das ganze Spiel. Und kann den letzten Endgegner damit easy besiegen. Parieren, leichter Schlag, leichter Schlag. Oder wenn es gut läuft perfektes Parieren und dann Konter. Glaubt mir, diesen Abwehr-Schlag-Ablauf werdet ihr sehr sehr oft ausführen. Genau das war auch der Grund, warum ich Trek to Yomi immer wieder unterbrochen habe, um es ein paar Tage später erst wieder weiter zu spielen. Das Gameplay wiederholt sich in so einer Regelmäßigkeit ohne irgendeine Art von Herausforderung zu bieten, dass ich immer nur wieder wegen des Looks und der Atmosphäre zurückgekommen bin.

Brennender Dojo in Trek to Yomi von Wild Flying Hog und Devolver Digital
Dojo nicht mehr ganz so heile.

Da helfen leider auch die verschiedenen Angriffs-Kombinationen nichts, die man über die Spieldauer lernen kann. Ihr habt Anfangs die Möglichkeit einen leichten und einen schweren Angriff auszuführen und könnt Blocken bzw. mit dem richtigen Timing Angriffe parieren. Besiegt ihr besondere Gegner*innen oder findet ihr Schriftrollen in der Spielwelt lernt ihr neue Angriffsmuster und lernt später auch zu rollen oder euch hinter euer Gegenüber zu begeben. Als Checkpoints dienen euch in Trek to Yomi kleine Schreine, die gleichzeitig eure Gesundheit wieder auffüllen, wenn ihr diese aktiviert. Außerdem habt ihr eine Ausdauer-Leiste, die sich leert, je mehr ihr blockt. Das lässt die Kämpfe zwar nur minimal an Tiefe gewinnen, aber hey. It's something. Sowohl eure Gesundheit, als euch die Ausdauer, lassen sich außerdem mit Collectibles erhöhen.

 

Um euch weiter zur Wehr zu setzen, bekommt ihr später sogar Fernkampfwaffen, wie Kunai, einen Bogen oder ein richtiges Gewehr. Habt ihr davon die Munition verbraucht, müsst ihr erst mal neue finden, bevor ihr diese wieder nutzen könnt. Und was soll ich sagen, jeder Kampf, der euch auch nur im Geringsten eventuell Schwierigkeiten bereiten könnte, kann damit komplett ausgehebelt werden. Steckt ihr mal irgendwo fest, schießt ihr einfach mit eurem Arsenal aus sicherer Entfernung auf die Gegner und knipst diese so aus. Wenn ihr nicht gerade am Kämpfen seid, könnt ihr außerdem noch Collectibles finden, die jeweils mit einer ausführlichen Beschreibung daherkommen. In der Entwicklung hat das Studio hier mit dem japanischen Historiker Aki Tabei Matsunaga zusammengearbeitet, um historisch so akurat zu bleiben, wie möglich.

Ein Kampf in Trek to Yomi von Wild Flying Hog und Devolver Digital
Eins muss man dem Spiel lassen: Atmosphäre kann es.

Und um hier nicht alles abzuhaten, muss man dem Spiel einen Punkt absolut geben - die Atmosphäre. Der Look mit Filmfilter passt einfach perfekt zum Spiel und man merkt, wie viel Liebe zum Ursprungsmaterial in Trek to Yomi geflossen ist. Nachdem Director Leonard Menchiari mit dem Schwarz-Weiß in der Unreal Engine experimentiert hatte, brachte Devolver Digital ihn und das Studio zusammen, um daraus ein Spiel in der Edo-Periode zu machen. Beim fertigen Spiel hat man sich stark an den Filmen von Akira Kurosawa und Stummfilmen orientiert. Und all das bringt das Spiel in wirklich jedem Moment komplett rüber. Die Szenenwechsel, die Kulissen, die Musik und der ganze Look sind wahnsinnig schön und cineastisch umgesetzt, nur leider trägt das Gameplay-Gerüst dieses Monument nicht. Ich hätte lieber einen animierten Trek to Yomi-Film gesehen, denn alles was auf dem Bildschirm selbst abgeht ist einfach nur wunderschön anzusehen. Die gelungene japanische Synchro tut dabei nur noch ihr übriges.

"Trek to Yomi ist das schönste schlechteste Spiel, das ich seit langer Zeit gespielt habe und wenn es nicht so schön wäre, hätte ich es vermutlich bei der Hälfte liegen gelassen."

Seit langer Zeit wurde ich mal wieder von einem Spiel enttäuscht, auf das ich mich seit Reveal gefreut habe. Normalerweise habe ich da ein recht sicheres Händchen, aber auch ein perfekter Run muss mal enden. Trotz der wunderschönen Inszenierung und der Atmosphäre, die mich dann doch dazu gebracht hat das Spiel zu beenden, hat mich Trek to Yomi recht wenig begeistert zurückgelassen. Das Kampfsystem lässt sich viel zu leicht aushebeln und bietet keinerlei Herausforderung, selbst mit den circa sechs Stunden Spielzeit hat sich das Spiel lange angefühlt und auch die verschiedenen Enden, die man erspielen kann, werden mich nicht dazu bringen, das Spiel noch einmal anzuwerfen. Trek to Yomi ist das schönste schlechteste Spiel, das ich seit langer Zeit gespielt habe und wenn es nicht so schön wäre, hätte ich es vermutlich bei der Hälfte liegen gelassen. So ist es eine belanglose Kerbe in meinem Videospieltagebuch 2022, welche ihr Potential komplett verschenkt hat. Schade drum, all Hail Game Pass, sonst wäre ich vermutlich noch enttäuschter.

Wertung zu Trek to Yomi von Wild Flying Hog und Devolver Digital
2,5 von 5 Hirokis.

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