The Quarry

   Von Miggi

Titelbild zu The Quarry von Supermassive Games und 2K Games

Ich bin ja sehr großer Fan der Dark Pictures Anthology-Reihe, die uns die letzten Jahre stets pünktlich zu Halloween das Fürchten gelehrt hat. Seit dem ersten Mal Anspielen auf der gamescom habe ich die Spiele ins Herz geschlossen und freue mich jedes Mal wieder darauf sie im Coop-Modus durchzuspielen. Was es aber schon eine Weile nicht mehr von Entwickler-Studio Supermassive Games gab, war ein Spiel wie Until Dawn, das 2015 erschien. Wo sich Spiele wie Man of Medan oder das aktuelle House of Ashes zum einen "Urban Myths" als Aufhänger und vor allem den Coop-Modus als gefühlt wichtigsten Bestandteil ausgesucht hatten, war Until Dawn doch um einiges filmischer gestaltet und hat dadurch ein ganz anderes Spielgefühl erzeugt. Mit The Quarry kehrt das britische Studio genau dahin zurück.

In The Quarry spielt ihr insgesamt acht Teenager*innen und führt diese durch die Geschichte. Die Gruppe hat den Sommer über gemeinsam mit dem Ranger Chris Hackett das Feriencamp Hackett's Quarry betreut und auf die Kinder dort aufgepasst. Am Tag der Abreise spielt sich einiges an Teenager-Love-Drama ab und endet damit, dass einer der Jungs den Van, der eigentlich allen als Shuttle hätte dienen sollen, so manipuliert, dass alle noch eine Nacht im Camp verbringen müssen. Camp-Leiter Hackett wird daraufhin unverhältnismäßig wütend und mahnt die Gruppe nachts auf keinen Fall das Haus zu verlassen und alles zu verbarrikadieren. Die Gruppe denkt sich dabei noch nicht wirklich viel, aber ihr könnt es eventuell schon ahnen - aber hier wird es für alle eine sehr lange Nacht voller Gefahren - denn natürlich halten sich die Jugendlichen nicht an die Regeln des Campleiters und starten den Abend erst einmal mit einem schönen Lagerfeuer am See.

David Arquette in The Quarry von Supermassive Games und 2K Games
Mit Erfahrung der Original-Scream-Trilogie passt David Arquette einfach perfekt in den Teenie-Horror von The Quarry.

Wie bereits erwähnt läuft The Quarry wieder viel mehr ab wie ein Film, als es die Dark Pictures Anthology-Teile noch getan haben. Und das fällt nicht nur durch die schwarzen Balken am oberen und unteren Bildschirmrand auf. Inspiriert von Filmen wie Freitag der 13., Tanz der Teufel oder The Hills Have Eyes hat man beim Spiel nicht nur Schauspieler*innen wie David Arquette, Lin Shaye oder Ted Raimi engagiert, die dem Horrorfilm-Genre nicht fremd sind, sondern auch beim Motion Capturing mit Digital Domain eine Partner-Firma ins Boot geholt, die sonst eher im Film-Sektor beheimatet ist. Aber auch sonst merkt man, dass die Waage zwischen Spiel und Story viel öfter in letztere Richtung ausschlägt und sich bewusst an Horror-Filmen aus verschiedenen Epochen bedient und so immer wieder Tribut zollt.

 

Die Story des Spiels ist aber keineswegs vorgegeben, ganz im Gegenteil. Insgesamt gibt es durch alle Kombinationen an Ereignissen 186 Enden im Spiel, wovon sich manche natürlich nur minimal unterscheiden, so ehrlich muss man sein. Denn wie auch schon in Until Dawn liegt es an euch, wer am Ende der Nacht in Hackett's Quarry überlebt und wer das Zeitliche segnet. Das beeinflusst ihr mit storyrelevanten Entscheidungen oder Handlungen im Spielverlauf oder durch Quicktime-Events, die hier wesentlich einfacher sind, als noch im Quasi-Vorgänger. Im Endeffekt braucht ihr zwingend für den gesamten Spieldurchlauf nur die beiden Sticks, die A-Taste und ab und zu noch den rechten Trigger. Die Ausrede, dass ihr den Controller nicht so gut kennt, zählt also hier nicht.

Nick schießt auf eine Melone in The Quarry von Supermassive Games und 2K Games
Die Melone wird leider nicht der einzige Feind bleiben, vor dem ihr euch verteidigen müsst.

Neben Quicktime-Events, die immer wieder ins Spielgeschehen eingestreut werden, gibt es aber auch Abschnitte, in denen ihr einzelne Gebiete des Spiels selbstständig erkunden dürft. Dabei liegt es an euch, wie viel Geheimnisse ihr dort jeweils findet oder eben auch einfach verpasst. Unterteilt sind die Fundstücke dabei in Hinweise und Beweise, die sich jeweils auch miteinander verknüpfen lassen, damit ihr die Story und Hintergründe besser versteht. Außerdem könnt ihr immer wieder Tarot-Karten finden, die euch am Kapitel-Ende die Möglichkeit bieten, ein Event im nächsten Kapitel schon vorab kurz zu sehen. Und auch in verschiedenen Dialogen und anderen Situationen müsst ihr mal ganz entspannt, mal unter Zeitdruck, Entscheidungen treffen, die sich direkt auf den Verlauf der Geschichte oder das Verhältnis verschiedener Charaktere untereinander auswirken.

 

Wer keine Lust hat The Quarry ganz alleine zu spielen, kann sich bis zu 7 Freund*innen zum Film-Spiel-Abend einladen und mit diesen gemeinsam die Story durchspielen. Mit zehn bis zwölf Stunden Spielzeit kann man das ganze in einer ausgedehnten Nachmittag-Abend-Session entweder am Stück spielen, oder man teilt es sich auf mehrere Sitzungen auf. Je nachdem wie viele ihr seid, könnt ihr vor Spielbeginn die Charaktere den Spieler*innen aktiv zuweisen, denn anders als bei Man of Medan und Co. laufen die Figuren hier nämlich nie gleichzeitig los, sondern es wird sich immer abgewechselt. So gebt ihr einfach einen Controller rum, je nachdem wer gerade dran ist. Einen Online Multiplayer-Modus gibt es aktuell noch nicht, dieser soll aber im Juli noch nachgeliefert werden.

Kaitlyn und der Rest der Gruppe erschrecken sich in The Quarry von Supermassive Games und 2K Games
Hat sie nicht gesagt!!!

Und wenn eines bei einer so filmischen Inszenierung ein wichtiger Bestandteil ist, dann ist es die passend gute Optik. Durch das Motion Capturing inklusive Star-Besetzung und der Power der Unreal Eninge 4 gemeinsam mit der aktuellen Konsolengeneration muss man sich in The Quarry aber absolut keine Sorgen machen, ganz im Gegenteil. Teilweise liefert das Spiel Szenen ab, bei denen man sich nicht mehr sicher ist, ob man hier wirklich ein Spiel vor sich hat, oder doch einen Film sieht. Nur an manchen Stellen wird diese Illusion durch Artefakte in der Lichtdarstellung gebrochen, vor allem Tageslicht scheint hier ein Problem zu sein. Bei künstlichem Licht funktionieren die Effekte wesentlich besser. Insgesamt überwiegen auf jeden Fall die schönen Momente, welche durch den passenden Soundtrack noch zusätzlich abgerundet werden. Wer das Spiel streamen will, muss sich übrigens aber keine Sorgen machen - Supermassive Games hat extra einen Stream-Modus ins Spiel eingebaut, in dem die lizenzierte Musik ausgetauscht wird.

"The Quarry knüpft da an, wo Until Dawn aufgehört hat und liefert einen wunderschön inszenierten, interaktiven Horrorfilm als Spiel, bei dem vor allem grafisch gezeigt wird, was auf den neuen Konsolen möglich ist."

Obwohl diesen Oktober mit The Devil in Me ein weiterer Teil der Dark Pictures Anthology-Reihe erscheinen wird, hat Supermassive Games im März 2022 The Quarry nicht nur angekündigt, sondern es direkt 3 Monate später herausgebracht. Und dann auch noch abgeliefert. Mit weniger Fokus auf reiner Coop-Experience und mehr Elementen aus diversen Horror-Filmen hat man es geschafft, eine Story zu erzählen, die nicht nur durch Jumpscares zu schocken weiß. The Quarry knüpft da an, wo Until Dawn aufgehört hat und liefert einen wunderschön inszenierten, interaktiven Horrorfilm als Spiel, bei dem vor allem grafisch gezeigt wird, was auf den neuen Konsolen möglich ist. Über die knapp mehr als zehn Stunden Spielzeit habe ich die Charaktere durch das charmante Writing komplett ins Herz geschlossen und hatte eine wahnsinnig gute Zeit mit dem Titel. Egal ob alleine oder im Coop macht das Spiel sehr viel Spaß und ich kann euch allen eine Reise nach Hackett's Quarry nur empfehlen.

Wertung zu The Quarry von Supermassive Games und 2K Games
4,5 von 5 Peanutbutter Butterpops.

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