The Medium

   Von Miggi

The Medium, Bloober Team, Xbox, Game Pass, exklusiv, Series X, Series S, Polen, Dual Reality, Horror, Marianne, Thomas, Richard, Niwa Resort, Next Gen, Layers of Fear, Blair Witch, Observer, Akira Yamaoka, Silent Hill, Zdzisław Beksiński, Reikowski

2020 war ein hartes Jahr. Also Corona sowieso, da müssen wir nicht drüber reden. Aber abseits davon gab es auch in der Videospielwelt einige Dinge, die nicht so liefen, wie sich das alle Beteiligten wohl erhofft oder gewünscht hatten. Es wurden Konsolen gelauncht, aber durch verknappte Liefermengen konnten bei weitem nicht alle eine bekommen, die gerne eine gehabt hätten, Messen und Events konnten nicht wie gewohnt stattfinden und diverse Spiele mussten nach hinten verschoben werden. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. The Medium, das neueste Horror-Spiel von Bloober Team wurde von all dem nicht verschont: nicht nur, dass das Spiel selbst später erschien, als ursprünglich geplant, durch den Delay von Halo Infinite, lastet auch eine weitaus schwerere Last auf den Schultern des Titels, als eines der ersten großen Xbox Exclusives für die Series X | S. Dass Xbox und Bloober Team zusammenarbeiten ist allerdings nichts Neues.

Blair Witch, das 2019 erschien, war zunächst exklusiv auf Microsofts Konsolen und ab Release im Game Pass verfügbar und wurde erst später für die Playstation 4 und Switch veröffentlicht. Blair Witch folgte damals wie Layers of Fear oder Observer der Bloober Team-Formel: Horror in der First Person und hat durch einige technische Stolperer eher gemischte Gefühle ausgelöst. Mir persönlich hat es damals sehr gut gefallen, aber objektiv gesehen verstehe ich die Kritik. Jedenfalls hat das polnische Studio diesmal mit der First Person-"Tradition" gebrochen und präsentiert uns mit The Medium ein Third Person-Spiel. Nur das Genre bleibt gleich, Horror all Day every Day. Als besonderes Feature - und damit auch Grund für die Exklusivität auf den neuen Konsolen - kommt das Spiel mit Dual Reality-Passagen, in denen ihr die echte sowie die Geisterwelt zeitgleich auf eurem Screen seht. Protagonistin Marianne ist nämlich, wie der Titel schon verrät, ein Medium und kann die Schwelle zur spirituellen Welt übertreten und mit Geisterwesen kommunizieren.

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Was ist besser als eine Realität? Na klar, zwei Realitäten.

Aber fangen wir mal von vorne an, bei der Handlung. Marianne, die gebeutelten Seelen dabei hilft ihre ewige Ruhe zu finden, wird schon länger von einem bösen Traum geplagt, in dem eine junge Frau an einem See stehend von einem Mann erschossen wird. Wir übernehmen nach dem Alptraum die Kontrolle und bereiten uns auf die Beerdigung von Mariannes Ziehvater vor. In dessen Wohnung werdet ihr erst einmal ins Spiel eingeführt. Während ihr dann langsam mit den Vorbereitungen fertig werdet, klingelt das Handy und eine fremde Stimme, die sich als Thomas vorstellt und von den Medium-Fähigkeiten zu wissen scheint, ruft euch zum Niwa Arbeiter-Resort. Der Urlaubsort, der zu Sowjetunion-Zeiten erbaut wurde, ist ab der Ankunft dann Hauptschauplatz von The Medium. Die Hauptstory des Spiels wird euch etwa acht Stunden beschäftigen, in ein bis zwei ausgiebigen Sessions könnt ihr das ganze also relativ schnell durchspielen.

 

Und schon von Anfang an, ist mir nicht nur die Third Person (positiv) aufgefallen, sondern vor allem ein anderer wesentlicher Punkt: The Medium inszeniert sich selbst mit fest eingestellten Kameraeinstellungen, wie es seinerzeit Genre-Urgesteine wie Resident Evil oder Silent Hill vorgemacht haben. Hier sind sie allerdings nicht komplett starr, sondern zoomen und schwenken teilweise noch nachträglich etwas mit, je nachdem wie ihr euch bewegt. Mittlerweile wird diese Art von Kameraführung jedenfalls nur noch selten bis nie eingesetzt und nachdem ich dieses Spiel beendet habe, frage ich mich - warum zur Hölle? Die fixen Kamerawinkel tragen in diesem Spiel so unglaublich viel zur Atmosphäre bei und sind zu keinem Zeitpunkt irgendwie nervig gewesen oder haben gestört. Große Liebe für diese Gamedesign-Entscheidung.

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Aber auch ohne Dual Reality kann sich The Medium echt sehen lassen.

Im Niwa-Resort angekommen löst ihr diverse Rätsel, die nie wirklich knackig sind, findet allerhand Collectibles, die alle zusätzliche Hintergrundinfos zur Welt mit sich bringen und begebt euch auf die Suche nach dem mysteriösen Thomas. Waffen sucht ihr in The Medium im Gegensatz zu vielen anderen Horror-Spielen allerdings vergebens. Während ihr in der Realität keinerlei Möglichkeit habt euch vor etwaigen Gefahren zu verteidigen, könnt ihr euch in der Geisterwelt zumindest einmalig mit einem Spirit Blast ausstatten, der Gegner abwehren kann oder ein Schild verwenden, das euch schützt. Aber Gegner ist auch eigentlich übertrieben, wirklich gekämpft wird im Spiel kaum. Wenn Gegner auftauchen, schleicht ihr eher, als die Konfrontation zu suchen. Das größte Feature sind hier aber auch nicht die Kämpfe, sondern wie vorhin schon erwähnt die Dual Reality.

 

Während Marianne an manchen Stellen komplett zwischen den beiden Welten switcht, gibt es Passagen, in denen ihr gleichzeitig in der echten Welt und der Geisterwelt unterwegs seid. Wollt ihr dort dann etwa durch eine Tür gehen, müsst ihr sicher stellen, dass diese in beiden Realitäten offen ist. In der Geisterwelt könnt ihr allerdings euren Körper "verlassen" und euch für eine begrenzte Zeit frei bewegen. So öffnet ihr neue Passagen in der jeweils anderen Realität und löst diverse Rätsel, die genau auf diese Mechanik zugeschnitten sind. Beide Welten werden dabei gleichzeitig gerendert, weswegen Bloober Team auch erst mit Erscheinen der neuen Konsolengeneration das Spiel fertig stellen konnte. Mir persönlich hat das Feature sehr gut gefallen und weniger verwirrt, als ich es anfangs erwartet hatte.

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Denkt mal darüber nach, wie euer Büro in der Geisterwelt aussieht. Und wer sich darin verbirgt.

The Medium sieht aber nicht nur rein technisch optisch gut aus, vor allem das Design hat es mir angetan. In der "normalen" Welt kann das Spiel mit einer unglaublich geilen Sowjetunion/Eiserner Vorhang-Ästhetik punkten, die nicht nur perfekt zum Horror-Genre passt, sondern auch bisher viel zu selten genutzt wurde. Die Geisterwelt, die durch die Gemälde des polnischen Künstlers Zdzisław Beksiński inspiriert wurde, kommt in orange-braunem Farbspektrum und ist voll mit Knochen, Fleisch und pilzartigen Gewächsen. Gemeinsam mit den Kamera-Perspektiven hat mich das Spiel so immer wieder dazu gebracht extra langsam durch Gänge zu laufen oder auch einfach mal stehen zu bleiben, um die Atmosphäre einzusaugen. Umso besser funktioniert das durch den Soundtrack, der teilweise sogar von Silent Hill-Komponist Akira Yamaoka stammt. Dieser war so begeistert von einer Demo des Spiels, dass Bloober Team ihn dazu bringen konnte, seinen Teil zum Soundtrack der Welt beizusteuern. Eine bessere Kombination gibt es kaum.

"The Medium ist für Genre-Fans im besten Sinne eine kleine Zeitreise in (gute) Zeiten von Silent Hill, punktet mit einer unglaublich dichten Atmosphäre und zeigt wie Horror mit festen Kamerawinkeln auch 2021 noch funktionieren kann."

Abseits von ein paar kleinen Bugs und nachladenden Texturen hatte ich nicht wirklich technische Probleme beim Spielen, sondern einfach nur Spaß. Und Angst. Wie es sein soll. Ich habe mich aber schon vor Release ein bisschen gefürchtet. Gefürchtet, dass sich das polnische Studio mit diesem Mammut-Projekt etwas übernimmt, aber ich kann erleichtert sagen: mit diesem Spiel hat sich Bloober Team ein eigenes kleines Denkmal gesetzt. The Medium ist für Genre-Fans im besten Sinne eine kleine Zeitreise in (gute) Zeiten von Silent Hill, punktet mit einer unglaublich dichten Atmosphäre und zeigt wie Horror mit festen Kamerawinkeln auch 2021 noch funktionieren kann. Ich hoffe, dass es sowohl bei den Entwickler*innen als auch bei Xbox auf diesem Niveau weiter geht, dann stehen uns rosige Zeiten auf Microsofts aktueller Konsolengeneration bevor.

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4,5 von 5 Bolzenschneidern.

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