Tanglewood

   Von Miggi

Tanglewood, Sega Mega Drive, 16-Bit, Genesis, Matt Phillips, Nymn, Djakk, Fuzzls, Farben, Big Evil Corporation, Plattformer

Wer mich kennt, weiß, dass der SEGA Mega Drive nicht nur meine erste Konsole war, sondern mich auch nachhaltig stark geprägt hat. Auf Patreon findet ihr sogar eine halbstündige Liebeserklärung von mir an die Konsole. Die im Vergleich zum SNES teils absurderen Spiele und Settings,  der edgy Look der Konsole selbst und vor allem Sonic The Hedgehog hatten es mir von Anfang angetan und meine bis heute anhaltende Liebe zu 2D-Plattformern hat natürlich auch genau in dieser Zeit ihre Wurzeln. Als ich im Jahr 2018 zufällig über ein neues Mega Drive-Spiel gestolpert bin, musste ich erst einmal überprüfen, ob ich mich nicht im Datum vertan habe. Ich wusste, dass der SEGA Dreamcast eine recht aktive Community hat, die regelmäßig neue Spiele für die Konsole entwickelt. Beim Mega Drive war mir das allerdings neu. Aber tatsächlich hat es sich der Entwickler Matt Phillips zur Aufgabe gemacht ein Spiel mit den originalen Entwicklertools  für SEGAs 16-Bit Flagschiff zu entwickeln, das nicht nur auf dem PC, sondern auch auf einer Cartridge für die alte Konsole spielbar sein soll.

In Tanglewood erlebt ihr die Geschichte eines Djunn - eine fuchsähnliche Rasse - namens Nymn. Die Rasse der Djunn hält sich, wie viele andere kleinere Wesen in Tanglewood, nur tagsüber an der Oberfläche auf und versteckt sich nachts unter der Erde. Und genau durch diesen Fakt gerät Nymn in Schwierigkeiten. Direkt zu Beginn des Spiels wacht der Protagonist in einer Baumkrone auf, weit und breit keine Spur von seiner Herde. Da die Djunn nachts von diversen Raubtieren gejagt werden, müsst ihr nun so schnell wie möglich zurück zu euren Freunden und eurer Familie finden und bekommt es am Weg natürlich mit der ein oder anderen Gefahr zu tun. Denn ins Spiel integriert ist ein Tag- und Nachtwechsel, der die Gebiete zunehmend gefährlicher werden lässt. Kurz noch vorneweg, bevor es an das Spiel selbst geht: um diese Review möglichst authentisch zu halten, muss ich natürlich immer im Hinterkopf behalten, was mein vierjähriges Ich dazu zu sagen gehabt hätte.

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Zzzzzz.... Zzzzzz.... Zzzzzz....

Optisch fühlt man sich als alter Hase sofort zuhause - ja, ich muss es langsam einsehen. Mittlerweile sind nicht mehr nur diejenigen aus der C64 und Atari-Ära in diesem Atemzug zu nennen. Das gute an den Spielen der 16-Bit-Zeiten ist, dass sie auch heute noch gut aussehen und genau das macht sich Tanglewood zunutze. Die Umgebung sowie die Hintergründe sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet und die verschiedenen Gebiete, die ihr als Nymn durchreist, bieten einiges an Abwechslung. Auch der Umgebung, den Hintergründen und natürlich auch den verschiedenen Figuren im Spiel springt der Retro-Charme aus jedem Pixel. Der Tag-Nacht-Rythmus schenkt den einzelnen Abschnitten außerdem innerhalb des Levels verschiedene Looks und Farbpalletten. Farbe ist in Tanglewood generell ein wichtiges Leitmotiv.

 

Überall in der Welt versteckt findet ihr kleine runde Lebewesen namens Fuzzls, die ihr zurück in ihre Nester rollen müsst. Diese kleinen Kreaturen lassen euch an ihren Kräften teilhaben, sobald ihr sie da hingebracht habt, wo sie hingehören. Gleich zu Beginn im Spiel schenkt euch ein gelbes Fuzzl etwa die Fähigkeit zu schweben, später kommen noch andere Farben und Fähigkeiten hinzu. Nymn nimmt je nach Fähigkeit ebenfalls die jeweilige Farbe an, was sich auch auf eure Umwelt auswirkt. Verschiedene Kreaturen werden auf euch anders reagieren, je nachdem welche Farbe Nymn gerade trägt. Aber Vorsicht - die Wirkung der Fuzzls hält nicht ewig an, sondern vergeht mit der Zeit wieder und eure Spielfigur kehrt zurück zur Ausgangsform zurück. Der Farbtwist gibt dem Spiel eine besondere Ebene und hebt es nicht nur von Plattformern der 90ern, sondern auch von heutigen Machwerken, ab.

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Nur ein glücklicher Fuzzl ist ein guter Fuzzl.

Die Leistung des Spiels kann sich ebenfalls sehen lassen. Framerate-Einbrüche habe ich selbst am PC nicht festgestellt, die Möglichkeit das Spiel auf meinem originalen SEGA Mega Drive zu spielen hatte ich leider nicht. Wobei man dem Spiel lobend zugute halten muss, dass die Steam-Version ebenfalls die ROM-Datei enthält, um es mit einem speziellen Modul auch auf der Original-Hardware spielen zu können, selbst wenn man keine der raren Cartridge-Versionen sein eigen nennen kann. Die Steuerung ist verblüffend präzise und hat bei mir zu keinen Frustmomenten geführt. Man merkt, dass hier mit Matt Phillips und der Big Evil Corporation wirkliche Liebhaber am Werk waren. Lediglich die Musik ist teilweise für meinen Geschmack etwas zu minimalistisch ausgefallen. Diese läuft zwar atmosphärisch im Hintergrund, für ein Spiel im Stile der 90er Jahre hätte ich mir aber einen bisschen "aufdringlicheren" Soundtrack erhofft.

 

Tanglewood, das 2016 als Kickstarter-Kampagne startete, bedient allein mit seiner Optik, seiner Aufmachung und allem Drumherum Retro-Gefühle alter Mega Drive-Fans wie mir. Dass das Spiel aber auch wirklich auf dem Gerät läuft bzw. mit der originalen Entwickler-Hardware programmiert wurde, lässt mein Herz um ein vielfaches höher schlagen. Dass sich hinter dem Retro-Charme, dann auch noch ein sehr guter Plattformer versteckt, darf natürlich nicht unerwähnt bleiben. Die verschiedenen Fähigkeiten, der Umgang mit Tag und Nacht und den Gegnern zu den verschiedenen Zeiten lassen Tanglewood aus dem Sumpf diverser 2D-Plattformer, auch im Jahr 2018, hervorstechen und ich kann nicht nur SEGA-Kids vergangener Tage dazu raten, einen Blick auf das süße Spiel zu werfen. Am besten gleich mit einer Mega Drive-Cartridge, um es auf der dafür vorgesehenen Konsole zu spielen. Das schwarze Pad von damals habe ich beim Anspielen schon ein bisschen vermisst.

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