Sea of Solitude

   Von Yvonne

Sea of Solidute, Jo-Mei, EA, Electronic Arts, EA Originals, Unity, Kay, Cornelia Geppert, Berlin, Mental Health, Einsamkeit, Monster

Heute werfen wir einen Blick auf ein Spiel, welches aktuell in aller Munde zu sein scheint: Das Adventure-Game Sea of Solitude, aus dem Hause des deutschen Entwicklerstudios Jo-Mei Games, wurde von Electronic Arts im Rahmen ihres Indie-Game-Programms EA Originals veröffentlicht - und seitdem schlägt das Spiel  nicht nur In-Game Wellen! Sea of Solitude beschäftigt sich mit einem, oft immer noch als kontrovers angesehen Thema, Überbegriff: Mental Health.

 

Als Spieler schlüpft man in die Rolle von Kay, einer jungen verzweifelten Frau, die in Gestalt eines schwarzen Monsters mit rot glühenden Augen in einem Boot aufwacht. Während man durch die bedrückende Dunkelheit über das Wasser schippert, geplagt von Selbstzweifeln und schlechten Gedanken, verändert sich das Szenario, als man auf ein anderes Mädchen trifft - umgeben von Licht und heiterem Gemüt. Die Umgebung klärt sich auf, als das Mädchen Kay versichert, ihr beizustehen und sie nicht mehr alleine zu lassen. Außerdem schenkt sie ihr einen Lichtball, der sie fortan begleiten und ihr den Weg weisen soll. Nachdem man kurz eingewiesen wird, wie man den Lichtball verwendet, hört man aus der Ferne ein Geräusch. Das leuchtende Mädchen verschwindet mit den Worten, dass „sie“ Kay diesmal nicht bekommen wird.

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„Sie“ ist ein weiteres schwarzes Monster, das uns, als wir uns in unserem Boot nähern, den Weg versperrt. Spätestens jetzt wird klar, mit was wir es hier zu tun haben, denn das Monster feuert sofort drauf los. Verletzende Worte fallen, wie wertlos Kay sei und dass sie ein Nichts ist. Die innere Stimme, die einen an sich zweifeln lässt. Das Monster, welches uns am Boden sehen will. Das Spiel hält mit nichts hinter dem Berg und spricht direkt ernste Themen, wie Ignoranz, Hass, Egoismus, Mobbing, Familienprobleme und Depressionen, an.

 

Das Spielprinzip ist recht einfach gehalten: Ihr sollt die Welt erkunden und die sogenannten Verderbnisse ausfindig machen, um sie in Kay's Rucksack einzusaugen und damit den Spielabschnitt quasi zu „reinigen“. Während man sich also Stück für Stück, zu Fuß oder mit dem kleinen Boot, durch die doch sehr lineare Spielwelt bewegt, stellt man sich in den ungefähren 5 Stunden Spielzeit und 12 Kapiteln  Kays Ängsten und ihrer Vergangenheit. So repräsentieren die Monster etwa ihre Eltern und die schwierige Familiensituation, oder ihren kleinen Bruder, der sich in der Schule mit Mobbing auseinander setzen musste und sich von seiner Schwester nicht gehört fühlt. Natürlich geht es aber am Ende insgesamt um Kay selbst, um Liebe, ums Loslassen lernen und um Akzeptanz.

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Als kleines Gimmick hält Sea of Solitude 2 Formen von Collectibles für den Spieler bereit: Zum einen gibt es überall in der Spielwelt verstreut kleine Fläschchen zu finden, in denen Notizen stecken, welche die Hauptstory ergänzen. Zum anderen kann man es sich zur Aufgabe machen 32 Möwen zu finden und zu verscheuchen. In dem Moment in dem die Möwe weg fliegt, bietet sich dem Spieler eine schöne Aussicht auf das Areal, in dem man sich gerade befindet. Sea of Solitude ist seit Anfang Juli für ungefähr 20 Euro für die Xbox One, Playstation 4 und natürlich auch den PC erhältlich.

 

Mein Fazit zum Spiel ist in diesem Fall etwas umfangreicher: Sea of Solitude ist ein wichtiges Spiel. Es beleuchtet verschiedenste dunkle Themenbereiche und nimmt jeden davon für sich ernst. Mich persönlich, hat das Spiel jedoch nicht vollends catchen können. Das hängt allerdings weniger mit der Story allgemein, als mit dem Gameplay und der Umsetzung zusammen. Es gab Abschnitte, die wirklich beeindruckend waren, wie etwa die Kapitel 3 und 4, welche sich mit Kays Bruder beschäftigen und sowohl emotional als auch spielerisch, in meinen Augen toll ausbalanciert wurden.

 

In anderen Abschnitten ist leider das genaue Gegenteil der Fall. Das Gameplay wirkte teilweise einfallslos, man macht gefühlt ständig das Gleiche und wird dabei nicht einmal wirklich gefordert. Auch was die Spielwelt angeht, bin ich etwas zwiegespalten. Natürlich sieht alles wirklich sehr hübsch aus, aber auch oft leider sehr, sehr gleich. Ich sehe ein, dass ein Spiel, welches seinen Fokus ganz klar auf der Story hat, den Spieler nicht durch super kompliziertes Gameplay und bockschwere Rätsel vom eigentlichen Thema ablenken möchte, wenn die Aufgaben aber zu monoton abgearbeitet werden können, verliert das Spiel, in meinen Augen, einfach zu schnell seinen Reiz. Wird es dann doch mal etwas anspruchsvoller, bzw. fordert das Spiel Präzision von uns,  musste ich so einige Male die Augen verdrehen, denn die Steuerung meint es nicht immer gut mit einem. Besonders negativ fiel mir dieser Aspekt in dem Fabrik-Abschnitt auf, welchen ich am Ende sogar komplett neu starten musste, weil mein Charakter irgendwo fest steckte und sich einfach gar nicht mehr bewegen ließ.

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Bevor ich hier den Sack zu mache, möchte ich noch kurz etwas zu den Dialogen und der Tonspur im Spiel sagen. Das Spiel setzt zum Einen auf eine komplett englische Tonspur, was im Hinblick auf internationalen Erfolg sicher Sinn macht. Allerdings ist es trotzdem schade, dass bei einem Spiel aus einem deutschen Haus keine originale, deutsche Tonspur verfügbar ist. Die englischen Dialoge haben jedoch deutlich hörbaren deutschen Akzent und wirken hier und da doch recht plump, wodurch für mich einiges an Atmosphäre verloren geht. Hinzu kommt, dass die Übersetzung im Untertitel teilweise einfach vom Sinn her komplett etwas anderes aussagt, als der englische Dialog. Oft habe ich gelesen, dass Sea of Solitude nur dann funktioniert, wenn man sich auf die tiefgründigen Motive und Erlebnisse einlassen will und auch kann. Das kann ich so nicht unterschreiben. Ich wollte immer und normaler Weise kann ich das auch, leider haben die oben genannten Punkte das Gesamterlebnis am Ende doch beeinträchtigt und ich wurde nicht so abgeholt, wie es hätte passieren können.

"Sea of Solitude schafft es, dass man sich trotz allem irgendwie, irgendwo in diesem Spiel selbst wiederfindet und anfängt nachzudenken . Es ist beklemmend und erleichternd. Man kämpft gegen sich, um sich am Ende mit sich selbst zu versöhnen."

Wer bis hier hin durchgehalten hat, dem soll gesagt sein: Sea of Solitude ist spielenswert, auch wenn es definitiv Spiele gibt, die ihre Sache technisch wesentlich besser machen. Videospiele sind einfach ein perfektes Medium um Themen, wie die hier angesprochenen, einer breiten Masse zugänglicher zu machen, um auf etwas aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren. Sea of Solitude schafft es, dass man sich trotz allem irgendwie, irgendwo in diesem Spiel selbst wiederfindet und anfängt nachzudenken. Es ist beklemmend und erleichternd. Man kämpft gegen sich, um sich am Ende mit sich selbst zu versöhnen. Alles ist ein Prozess und wenn das Spiel eines deutlich macht, dann das.

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