Planet of Lana

   Von Miggi

Titelbild zu Planet of Lana von Wishfully Studios und Thunderful Games

Planet of Lana ist mir das erste Mal während einer Online-Präsentation ins Auge gestochen und seitdem habe ich mich wahnsinnig auf den Release des Spiels gefreut. Alleine das wunderschön gezeichnete Key-Art hat mich direkt abgeholt, aber es ist natürlich nicht nur das. Schon in unserer letzten gamescom-Folge waren wir uns dann alle drei einig, dass uns mit Planet of Lana eine ganz besondere Indie-Perle erwartet. Bea hat sich auf Look und Trailer verlassen, Yvonne konnte es beim Xbox-Stand kurz anspielen und ich selber hatte noch eine längere Session mit einem der Entwickler des Spiels, bei der ich schon sehr viel Spaß hatte. Für die schwedischen Indie-Entwickler*innen von Wishfully Studios ist Planet of Lana ihr Debüt, mit dem sie es direkt in den Xbox Game Pass geschafft haben und das nun auf die breite Masse losgelassen wird.

In Planet of Lana macht ihr euch mit der titelgebenden Protagonistin auf, um eure Schwester und Freund*innen zu retten. Direkt zu Beginn des Spiels wird nämlich das kleine Fischerdorf, in dem Lana lebt, von Maschinen angegriffen und dessen Bewohner*innen entführt. Nur Lana schafft es den Maschinen zu entkommen und so macht sie sich direkt auf den Weg, diese zu verfolgen. Auf ihrer Reise trifft sie relativ bald auf die kleine katzenartige Kreatur Mui, die ihr von dem Zeitpunkt an zur Seite steht. Gemeinsam mit Mui geht die abenteuerliche Reise durch verschiedene Gebiete des Planeten und die beiden treffen dort auf allerhand Gefahren, aber entdecken auch mehr über die Geschichte des Planeten und der Maschinen selbst.

Lana und ihre Schwester schleichen sich durch das Dorf in Planet of Lana von Wishfully Studios und Thunderful Games
Mit Frau Hackebeil sollte man sich lieber nicht anlegen.

Das Gameplay lässt sich dabei am ehesten mit Spielen wie Limbo oder Inside vergleichen. Ihr lauft als Lana durch die Welt und müsst hier und da kleine Plattforming-Passagen absolvieren, die aber nie sonderlich schwer sind. Das Spiel legt den Fokus hier viel mehr auf die Story und die Rätsel, als dass es eure Skills am Controller testen will. Lediglich ein paar Schleichpassagen und Zwischenszenen fordern manchmal eure Reaktionsfertigkeiten bzw. setzen euer Timing auf die Probe. Die meiste Zeit könnt ihr euch aber voll und ganz auf die verschiedenen Rätsel konzentrieren, die euch immer wieder vor Herausforderungen stellen, bevor ihr weiter euren Weg verfolgen könnt. Dabei könnt ihr nur von links nach rechts bzw. umgekehrt laufen. Ihr müsst euch keine Gedanken über die Tiefe machen.

 

Die Rätsel im Spiel haben genau die richtige Balance zwischen knifflig aber auch nicht zu schwer. Ich musste mir nie übermäßig lange den Kopf zerbrechen, aber die Lösung war auch nicht immer komplett offensichtlich. Hier hat Wishfully Studios definitiv eine gute Balance zwischen Story und Gameplay hinbekommen, wo sich keiner der beiden Parts gegenseitig im Weg steht. Im Laufe des Spiels erhält Lana zusätzliche Fähigkeiten, die in die Aufgaben mit eingebaut werden. Was mit einem simplen "Schiebe Kiste X zu Abhang Y, um hochklettern zu können" startet, um euch erstmal in die Welt einzuführen und mehr als Tutorial dient, wird schnell komplexer und ihr müsst neben Lanas Fähigkeiten definitiv auch eure grauen Zellen anstrengen. 

Lana versteckt sich vor einem Roboter in Planet of Lana von Wishfully Studios und Thunderful Games
Suchbild: wo ist Lana?

Zur Hilfe nehmt ihr dabei aber nicht nur die Umgebung und deren Gegenstände, sondern auch Mui wird in die Aufgaben mit eingebaut. Per Tastendruck könnt ihr eure kleine Begleiterin nämlich warten lassen, oder zu euch rufen und ihr mit einem Cursor auch Befehle geben, wo sie hinlaufen oder -springen soll. Mui ist nämlich wesentlich agiler als unsere Protagonistin und kommt durch ihre Sprungkraft auch Abhänge hoch, die Lana nie alleine hätte erklimmen können. Oben wartet dann z.B. ein Seil, das Mui für euch herunterwerfen kann. In anderen Gebieten müsst ihr dann dafür andersrum erst einmal einen Weg für eure Begleiterin freimachen. So kooperiert ihr gemeinsam mit Mui, um alle Rätsel zu lösen und ich bin ganz ehrlich - man baut da im Laufe der Story schon auch eine emotionale Beziehung zu dem katzenartigen Wesen auf.

 

Ein großer Faktor dafür ist aber auch die Optik des Spiels. Nicht nur, dass Mui unfassbar süß designed ist und man das kleine Wesen einfach niedlich finden muss, die handgezeichneten Umgebungen und generell die ganze Spielwelt lassen einen auch einfach richtig schön in die Spielwelt abtauchen. Als große Inspiration nannten die Entwickler*innen dabei Studio Ghibli und ich finde das sieht man auch, in der Hinsicht, dass die Welt und vor allem die wunderschönen Hintergründe wahnsinnig detailliert gezeichnet sind und das Spiel insgesamt sehr filmisch inszeniert wurde. Immer wieder gibt es auf weiteren Strecken Einstellungen, in denen die Kamera weit hinaus zoomt, um euch mehr von der Spielwelt zu zeigen, die einzelnen Abschnitte sind wahnsinnig abwechslungsreich und wäre das Spiel ein Animationsfilm in dem Stil - ich würde ihn mir ansehen.

Lana trägt Mui auf einem Baumstamm durchs Wasser in Planet of Lana von Wishfully Studios und Thunderful Games
Mui hasst übrigens Wasser, was den Katzen-Vergleich noch treffender macht.

Zum filmischen Aspekt - und ich würde vermutlich von Bea gerügt werden, wenn ich das nicht erwähne - trägt aber auch der Soundtrack ein großes Stück bei. Dieser wird immer wieder sehr treffend eingesetzt, ist dabei aber nie wahnsinnig aufdringlich, sondern eher unterschwellig und schafft es die Szenerie perfekt zu untermalen. Die Musik stammt dabei von Takeshi Furukawa. Und falls ihr euch jetzt fragt, wer das ist - Furukawa ist der Komponist von Spiele-Soundtracks wie GoldenEye 007 und The Last Guardian, aber auch von Star Wars: The Clone Wars. Und ich finde, wenn man es weiß, hört man diese Einflüsse definitiv auch im Soundtrack zu Planet of Lana. Die Musik passt jedenfalls wie die Faust aufs Auge und ich frage mich jetzt schon, wann es davon endlich eine Vinyl geben wird.

"Planet of Lana ist nicht nur ein gelungenes Debüt für Wishfully Studios, sondern eines der bisherigen Indie-Highlights des Jahres 2023. Und ich glaube das werde ich auch am Ende des Jahres so noch bestätigen können."

Eigentlich hatte ich nie wirklich die Sorge, dass Planet of Lana mich enttäuschen könnte. Meine Anspiel-Session auf der gamescom lief schon richtig flüssig und ich hatte während meiner Spielzeit keine Bugs, Glitches oder sonstiges, was mein Spielerlebnis negativ beeinträchtigt hätte. Gleichzeitig liebe ich den Look des Spiels, der Soundtrack ist großartig und auch das Gameplay war genau, wie ich es erwartet hatte. Meiner Meinung nach sollte es viel mehr Spiele geben, die in diese Limbo- bzw. Inside-Richtung gehen und dem ganzen trotzdem ihren eigenen Charme verpassen. Planet of Lana ist nicht nur ein gelungenes Debüt für Wishfully Studios, sondern eines der bisherigen Indie-Highlights des Jahres 2023. Und ich glaube das werde ich auch am Ende des Jahres so noch bestätigen können. Wer den Game Pass hat, sollte auf jeden Fall mal reinspielen und auch sonst kann ich das Spiel nur empfehlen.

Wertung zu Planet of Lana von Wishfully Studios und Thunderful Games
5 von 5 Muis.