Nobody saves the World

   Von Miggi

Titelbild zu Nobody saves the World von Drinkbox Games

Ich weiß mittlerweile gar nicht mehr wann und wie ich damals auf Guacamelee! aufmerksam wurde. Ich glaube das Spiel war irgendwann in meiner PlayStation 4 und PlayStation Vita Hochphase Teil des PS Plus-Programms und gefühlt waren damals sehr viele spielenswerte Indies mit dabei, die ich gerne gespielt habe. Ich kann mich da zum Beispiel noch gut an Unfinished Swan oder Hohokum erinnern. Aber zurück zum Thema - das 2D-Metroidvania rund um einen Luchador konnte nicht nur mit einer abgefahrenen Story, sondern auch gutem Gameplay und wunderschönen Animationen glänzen. Mit Guacamelee! 2 hat Drinkbox Studios dann 2018 noch einmal ordentlich einen drauf gelegt, bevor man zu neuen Ufern aufgebrochen ist. Und diese neuen Ufer wurden im März 2021 während des ID@Xbox Twitch Gaming Showcase zum ersten Mal der breiten Öffentlichkeit präsentiert.

In Nobody saves the World wacht ihr als "Nobody" - insert Odysseus-Joke here - in einer Welt auf, die von seltsamen Pilzen bedroht wird. Relativ früh findet ihr den Zauberstab vom großen Zauberer Nostramagus, mit dem ihr euch in verschiedene andere Figuren und Kreaturen verwandeln könnt und das habt ihr auch bitter nötig. Euer Charakter kann in seiner ursprünglichen Form nämlich nicht wirklich viel ausrichten und in Kämpfen seid ihr so leichtes Futter. Die erste Form, die ihr zu Beginn des Spiels lernt ist eine Ratte, später kommen noch zum Beispiel noch eine Wache, eine Jägerin oder eine Schnecke dazu, insgesamt könnt ihr bis zu 15 davon freischalten. Mit großem Stab kommt aber auch große Verantwortung und somit liegt es nun natürlich an euch, die Welt vor der Calamity zu retten. Selbst schuld.

Ein Wal-Dungeon mit der Meerjungfrau-Form in Nobody saves the World von Drinkbox Studios
Jona, bist du's?

Mit Nobody saves the World gehen die Entwickler*innen einen mutigen Schritt weg vom Metroidvania-Genre, das sie um zwei absolute Hits bereichert haben und wenden sich dem der Action-RPGs zu. In einer Top-Down-Ansicht, die mich direkt an The Legend of Zelda: A Link to the Past erinnert hat lauft ihr durch die Welt, die in verschiedene Screens bzw. Map-Pieces aufgeteilt ist. Diese sind natürlich wesentlich größer und umfangreicher als im SNES-Zelda, das Prinzip bleibt im Kern aber gleich. Je mehr ihr durch die Gebiete lauft, desto mehr deckt ihr auf der Karte auf und könnt dort verschiedene Items, Gegner und anderen Kram finden. Außerdem sind quer über die doch sehr große Karte verschiedene Dungeons verteilt, die es zu erkunden gilt. Diese sind prozedual generiert, wodurch jeder neue Besuch in Dungeon X sich von den vorherigen unterscheidet.

 

Was aber vor allem in den Dungeons passiert sind Kämpfe. Gekämpft wird im Spiel in Echtzeit und jede eurer Formen bietet euch dabei andere Attacken, wobei ihr anfangs bei jeder Figur nur die Basis-Attacke zur Verfügung habt. Der Ritter kann z.B. mit dem Schwert zuschlagen, die Ratte beißt die Gegner und die Bogenschützin - ihr habt es wahrscheinlich schon erraten - kann mit ihrem Bogen Pfeile abfeuern. Je weiter ihr eure Figur durch Quests auflevelt, die euch das Spiel gibt, desto mehr Varianz könnt ihr aber in das Moveset bringen. So bekommt die Rate eine Attacke die sie heilt und die Fähigkeit Gegner zu vergiften oder die Schnecke einen Dash, der Gegner zusätzlich mit einer Schleimspur verlangsamt. Je weiter ihr fortschreitet, desto mehr könnt ihr auch diese Fähigkeiten kombinieren und spätere Dungeons werden was das angeht echt knifflig. 

Die Roboter-Form und der Rogue kämpfen im Coop Modus gegen Gegner in Nobody saves the World von Drinkbox Studios
Wer wollte nicht schon immer in einen Dungeon, der ein kaputter Riesenroboter ist?

Gleichzeitig hat jede Attacke bzw. jede Figur ein oder zwei Elemente bei den Attacken, die ihr immer wieder effektiv nutzen müsst. Manche Gegner in Dungeons haben nämlich Schilde, die sie unverwundbar machen. Diese können nur gebrochen werden, wenn ihr mit dem richtigen Attacken-Typ draufhaut. So müsst ihr entweder eure Figuren mit den richtigen aktiven und passiven Fähigkeiten ausstatten, oder eben zwischen mehreren Figuren hin- und herswitchen, damit ihr den Dungeon lebend verlasst. Zum Glück werden euch vor betreten schon angezeigt, welche Gegnertypen euch erwarten und welcher Gesamt-Level dafür empfohlen wird. Manche Dungeons haben außerdem noch spezielle Modifier, die ihr beachten müsst. Am krassesten war für mich da wohl der "Damage x999" wo quasi jeder Treffer euch aber auch euer Gegenüber one-shottet.

 

Neben den Charakter-Quests und der Hauptstory findet ihr in der Welt neben den Dungeons auch noch sehr viele Nebenquests, die ihr erledigen könnt. Langweilig wird euch also nicht so schnell. Und falls euch das ganze zu schwer wird könnt ihr das ganze Spiel auch im Coop-Modus spielen. Dieser ist aber aktuell leider nur online verfügbar und nicht im lokalen Coop, funktioniert dafür aber wie der Single-Player. Beide Spieler*innen können ihre eigenen Quests abschließen und durch die verschiedenen Formen und Attacken wird das Spiel so nur noch verrückter, da ihr eure Fähigkeiten noch viel besser aufeinander abstimmen könnt. Das führt teilweise zu viel krasseren Kombinationen, kann aber, wenn ihr nicht aufpasst, auch dazu führen, dass euch wichtige Attack-Typen fehlen. Wie es eben im Singleplayer-Modus auch der Fall ist.

Die Roboter-Form und der Rogue kämpfen im Coop Modus gegen Gegner in Nobody saves the World von Drinkbox Studios
Robo-Drill goes brrrrr, Rogue goes pew pew.

Was man bei Nobody saves the World auf jeden Fall noch ansprechen muss, ist der wahnsinnig schöne Comic-Look. All eure Formen, die Figuren in der Welt und auch alle Umgebungen sind in einem wahnsinnig liebevollen 90s Cartoon-Look gezeichnet und der hat mich einfach zu 100% abgeholt. Gleichzeitig wird euch in Kämpfen mit Monsterhorden teilweise ein Effektfeuerwerk um die Augen geballert, dass es teilweise schon echt Sinn macht, dass eurer Figur ein Dreieck über dem Kopf angezeigt wird, da man sonst schnell mal den Überblick verliert, wo man eigentlich gerade ist. Abgerundet wird das ganze durch den guten Humor, den Drinkbox schon bei Guacamelee! unter Beweis gestellt hat und einen Soundtrack von Jim Guthrie, der u.a. für den Klangteppich von Below oder Indie Game: The Movie verantwortlich war. Und auch technisch gibt es nichts zu meckern, selbst bei einem Screen voller Monster, Projektilen und beschwörten Verbündeten, lief das Spiel bei mir komplett ohne Ruckler.

"Nobody saves the World ist ein weiterer gelungener Eintrag in die Chronik von Drinkbox Studios und durch den Release im Game Pass kommen hoffentlich sehr viele da draußen in den Genuss dieses Spiels."

Trotz meiner doch sehr großen Erwartungen, die nach Guacamelee! 1+2 denke ich auch gerechtfertigt waren, hat es Nobody saves the World geschafft, mich nicht zu enttäuschen. Das Action-RPG bringt mit seinen verschiedenen Formen, die man annimmt, einen frischen Aspekt ins Spiel, der fordernd aber nie unfair ist. Der Look und das witzige Writing spielen sich beiderseits perfekt in die Hände und das Gameplay hat mich von Anfang bis Ende total abgeholt. Bis auf die New Game+ Aufgaben habe ich alles erledigt, was es im Spiel zu erledigen gab, einfach weil es mir so viel Spaß gemacht hat, mich durch diese Welt zu zaubern. Nobody saves the World ist ein weiterer gelungener Eintrag in die Chronik von Drinkbox Studios und durch den Release im Game Pass kommen hoffentlich sehr viele da draußen in den Genuss dieses Spiels. Und irgendwann hol ich mir dann auch noch die beiden New Game+ Achievements.

Wertung zu Nobody saves the World von Drinkbox Studios
5 von 5 Nobodies.

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