Monster Hunter: World

   Von Miggi

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Wir reisen zurück ins schöne Jahr 2005. Damals befand ich mich in einer glücklichen, aber schon langsam ausklingenden Beziehung mit meinem Nintendo Gamecube - immerhin stand der Release der Xbox 360 kurz bevor. Dass die dann auch wirklich mein Weihnachtsgeschenk werden sollte, wusste ich damals noch nicht. Es begab sich auf jeden Fall immer öfter, dass ich bei meinem guten Freund Felix, den wir bereits in einem Podcast zu Gast hatten, einen Blick in das Exklusiv-Angebot der Playstation 2 werfen konnte und diese Chance auch nutzte. So tauchten zum Glück Perlen wie Devil May Cry, Silent Hills 2 und oder auch Fahrenheit nicht unter meinem Radar durch. Das Spiel, das aber am meisten Eindruck bei mir hinterlassen hatte war der erste Teil der Monster Hunter-Serie. Damals noch komplettes Neuland für mich hatte mich das Prinzip aber schnell in seinen Bann gezogen. Rein in die Welt, ein bestimmtes Monster erlegen, das tote Monster looten und das Gleiche nochmal von vorn, mit einem stärkeren Monster.

 

So simpel das Grundprinzip der Monster Hunter-Spiele seit Teil 1 geblieben ist, so sehr fesselt es seit Beginn der Serie vor die Konsole. Mit dem neuesten Ableger Monster Hunter: World kehrt Capcom von Nintendos Wii und dem 3DS zurück auf die großen Fernseher und veröffentlicht den bisher grafisch schönsten Teil der Reihe. Mit Monster Hunter: World will man neues Publikum für sich gewinnen und die Monsterjagden zugänglicher machen. Im Vorfeld hatten dadurch viele Fans Angst, dass "ihr" Monster Hunter zu sehr an ein breites Publikum angepasst wird und dadurch an Tiefe verliert. Auch ich war nach meiner Anspielsession auf der Gamescom 2017 noch nicht zu 100% überzeugt. Ob die Zweifler Recht behalten sollten, oder ob Capcom wie schon 2017 gleich zu Beginn des Jahres mit einem absoluten Top-Titel um die Ecke kommt, das stellte sich im Januar 2018 relativ schnell heraus.

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Regel #1: Nie mit leerem Magen auf die Jagd gehen.

Ein großes Kompliment muss man den Entwicklern gleich anfangs für den Charakter-Editor machen. Ich bin generell sehr anfällig dafür, dass ich mich lange darin verliere, meinen Charakter so zu erstellen, dass ich mit dem Ergebnis zufrieden bin. Und was Capcom hier abliefert, ist wohl das Detaillierteste, was ich bisher in diesem Bereich gesehen habe. Nicht nur, dass man aus enorm vielen vorgegebenen Templates auswählen kann - jedes Element lässt sich selbst noch einmal individuell verschieben und anpassen. Selbst die Narben dürfen im ganzen Gesicht manuell platziert und sogar eingefärbt werden. Und als wäre es noch nicht umfangreich genug seinen eigenen Charakter so ausgiebig gestalten zu dürfen, bietet Monster Hunter: World euch direkt im Anschluss die Möglichkeit euren Palico, also die Katze die euch während des Spiels helfend zur Seite steht, nach Lust und Laune einzufärben, die Felllänge und -dichte zu bestimmen und sogar Augen und Ohren ganz nach euren Wünschen anzupassen. So verliert man sich locker eine halbe oder sogar eine ganze Stunde in der Erstellung des Charakters und seines Kumpels.

 

Ist man fertig damit wirft euch das Spiel sofort in eine bombastische Intro-Sequenz, die klar macht, dass sich bei Monster Hunter viel getan hat seit den Teilen für Nintendos Handhelds. Grafisch wird im direkten Vergleich zu Monster Hunter 4 natürlich das ganze Spiel über ein viel höheres Niveau gehalten. Man ist also definitiv in der aktuellen Generation angekommen. Vor allem aber auf Playstation 4 Pro und Xbox One X bietet sich dem Spieler dann nochmals eine signifikant bessere Erfahrung als auf den Basis-Konsolen Playstation 4 und Xbox One. Dazu trägt auch die Option bei, die euch auswählen lässt ob ihr den Fokus auf Auflösung, Framerate oder grafische Details legt. Im Vergleich zu den mittlerweile etwas in die Jahre gekommenen Konsolen bieten die neuren Ableger auf jeden Fall nochmals einen hohen Qualitätssprung in jedem der drei verschiedenen Modi. Wählen zu dürfen, worauf man als Spieler den Fokus legt ist absolut zu begrüßen, lediglich ein Modus in dem man die Framerate auf eine bestimmte Grenze festlegen kann, statt sie variabel zu halten, wäre noch wünschenswert gewesen. Das ist aber Jammern auf absolut höchstem Niveau.

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Regel #2: Um das Monster zu jagen musst du fühlen wie das Monster. Sei das Monster!

Worum es aber natürlich hauptsächlich geht sind, wie der Titel des Spiels schon verrät, die Monster. Und die sind im neuesten Ableger der Serie wie schon von den Vorgängern gewohnt wahnsinnig abwechslungsreich und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. In jedem Gebiet warten verschiedene kleine und große Monster darauf von euch besiegt und im Anschluss gelootet zu werden. Aus dem Material, das ihr dem Monster entnehmt, dürft ihr euch und eurem Palico nach den Missionen und Expeditionen bessere Rüstung und Waffen bauen. Je weiter ihr im Spiel voranschreitet, desto seltener sind die benötigten Teile und desto stärker natürlich auch die Monster. Daraus ergibt sich ein stetiges Lernen der unterschiedlichen Monster, ihrer Eigenheiten und Jagdgebiete. Trifft dann ein großes Monster auf das andere, werdet ihr nicht selten Zeuge wie sich die beiden untereinander in die Haare kriegen. Ob ihr euch dann mitten in den Kampf begebt oder auf Abstand geht bleibt komplett euch überlassen.

 

Zu dem wesentlich lebendigeren Ökosystem des Spiels tragen einige Veränderungen der Spielmechanik bei. Anders als in den Vorgängern ist jeder Bereich für euch komplett frei erkundbar und nicht durch einzelne Ladebildschirme getrennt. Auf eurer Karte sind die Gebiete immer noch wie bisher in Ziffern unterteilt, aber nurnoch damit ihr euch besser orientieren könnt. Flüchtet sich ein Monster jetzt von Gebiet X zum Beispiel in sein Nest, müsst ihr aber so nicht mehr durch mehrere Ladebildschirme laufen, um in den Kampf zurückzukehren. Das gibt dem Spiel einen erheblich flüssigeren Ablauf und macht auch die Monsterjagd um einiges spannender. Auch die grünen Leuchtkäfer machen das Spiel nicht etwa einfacher, wie im Vorfeld befürchtet, sondern entfernen lediglich punktgenaues Auswendiglernen der Gebiete und das der Monsterwege. Natürlich ist es immer noch von Vorteil zu wissen, wo welche Items zu finden sind und in welchen Abschnitten sich die Monster vorzugsweise aufhalten. Ich persönlich weiß die grünen Käfer aber mittlerweile sehr zu schätzen und freue mich, nicht mehr komplett ahnungslos in ein mir neues Gebiet geworfen zu werden, sondern zumindest einen kleinen Anhaltspunkt zu haben, wo ich ungefähr hin muss.

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Regel #3: Mit Freunden macht die Jagd noch viel mehr Spaß.

Und wenn ich schon die ganze Zeit über die Gebiete in Monster Hunter: World schreibe, möchte ich auch gleich darauf eingehen, wie sehr mir das unterschiedliche Design genau dieser teilweise wirklich den Atem geraubt hat. Vor allem das dritte Gebiet, die Coral Highlands, sind wunderschön in Szene gesetzt und haben mich bei meiner ersten Expedition dorthin komplett in ihren Bann gezogen. Aber auch die anderen Areale müssen sich nicht verstecken: Vom Urwald, über die Wüstenregion bis hin zum Lavasee und einer Art letzter Ruhestätte für die Tiere der Welt ist alles dabei, was das Monsterjäger-Herz begehrt. Darin unterscheiden sich überall Flora und Fauna erheblich voneinander. Findet ihr im Urwald noch Moosschweine, bestimmte Käfer und Fische, werdet ihr diese in der Wüstenregion nirgends antreffen. Dafür aber wieder andere Dinge, wie Kakteen und Erz, das ihr mit eurer Spitzhacke abbauen könnt. Wenn ihr es also auf eine bestimmte Rüstung oder Waffe abgesehen habt, dürft ihr euch darauf gefasst machen, dass ihr jedes der Gebiete wie euer eigenes Zuhause kennenlernen werdet.

 

Das Upgrade-System der Rüstungen und Waffen ist wie gehabt: Ihr müsst eine bestimmte Anzahl an Rohstoffen einsammeln und der Dorf-Schmied in der Hub-Welt verarbeitet diese zu einem neuen Gegenstand. Wesentlich einfacher macht euch das eine Wunschliste, in der ihr mehrere Gegenstände eintragen könnt. Sobald ihr auf eurer Jagd einen der Gegenstände findet, erhaltet ihr direkt im Spiel eine Nachricht, die euch mitteilt, wie viel Material ihr für eure Wunschausrüstung noch benötigt bzw. ob ihr sie schon bauen könnt. Und das ist nicht wenig, wenn ihr erstmal eine zweistellige Stundenanzahl in das Spiel gesteckt habt. In der Hub-Welt dürft ihr außerdem auf ein Monster-Lexikon zugreifen, das euch die Stärken und Schwächen der bisher entdeckten Monster zeigt, könnt Pflanzen an- und abbauen, optionale Aufträge annehmen, bei Händlern eure Vorräte aufstocken und sogar Armdrücken. Außerdem gibt es ein kleines Schwein, das ihr streicheln und herumtragen könnt. Und wer möchte bitte nicht ein süßes Schwein im Arm halten? Eben. Alle wollen das.

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Regel #4: Nach dem Kampf auch einfach mal durchatmen und die Atmosphäre genießen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil von Munster Hunter: World ist außerdem die Mehrspielerkomponente. Mit bis zu drei Freunden könnt ihr gemeinsam losziehen und die Monster ordentlich in ihre Schranken weisen. Die einzige Voraussetzung dafür ist, dass eure Mitspieler die Videosequenzen in den Storymissionen bereits gesehen haben und den gleichen oder einen höheren Jägerrang als ihr haben. In den Aufgaben bekommen dadurch die Gegner mehr Gesundheitspunkte, wodurch eure Missionen nicht unbedingt schneller gelöst werden, dafür aber auf jeden Fall spaßiger und unberechenbarer sind. Wie in der Einzelspielerkampagne dürft ihr höchstens drei Mal sterben, bevor eure Mission scheitert. Dabei werden aber die Leben auf alle Spieler aufgeteilt. Ihr müsst also aufpassen, dass euch der Anjanath von nebenan nicht allen vier gleichzeitig ein digitales Leben wegnimmt. Damit das nicht passiert müsst ihr euch gut intern absprechen, könnt untereinander Items tauschen und eure Kampfweise aufeinander abstimmen. Dafür lassen sich sogar Clans gründen, in denen ihr Online-Sessions erstellen könnt. Dies erleichtert es euren Freunden bei der Questannahme zu sehen in welcher Quest sich jeder Spieler gerade befindet und man kann mit einem Tastendruck sofort beitreten. Shoutouts an die Pancake-Bande. Mehr Spaß macht auf Dauer sicherlich der Mehrspielermodus, wenn ihr aber einfach nur bestimmte Items von einem Monster farmen wollt, könnt ihr das sogar einfacher im Singleplayer tun. Zum einen habt ihr die Monster erfahrungsgemäß schneller erledigt und auch das Risiko mit der begrenzten Anzahl an Leben fällt dabei weg.

 

Um in die ganze Tiefe und den Umfang von Monster Hunter: World einzutauchen fehlt mir hier der Platz. Und außerdem gibt es noch viel zu viel, was ich selbst nicht entdeckt habe. In mehr als 40 Stunden Spielzeit fühle ich mich, als hätte ich gerade erst angefangen den ernsteren Teil des Spiels kennenzulernen und alle Mechaniken zu durchblicken. Und immer, wenn ich denke, dass ich alles verstanden und gesehen habe, öffnet sich ein neuer Ast im Waffenbaum oder eine neue Rüstung erscheint im Menü des Schmiedes. Jedes Areal bietet mir auch jetzt noch neue Details, die entdeckt werden wollen. Ich habe noch immer nicht alle Monster gesehen, geschweige denn bin ich schon stark genug ihnen gegenüber zu treten. Viel zu viele Waffen wollen noch von mir verbessert werden und meine Rüstung ist bei weitem noch nicht so stark, wie ich sie gerne hätte. Viele, viele Stunden werden noch in die Länder ziehen, bis ich das Spiel "durchgespielt" habe, insofern das bei einem Gigant wie Monster Hunter: World überhaupt möglich ist. Genau das ist es aber auch, was die Faszination der Reihe für mich ausmacht: Die Rollenspielelemente gepaart mit dem Verlangen alles an Loot im Spiel zu finden. Die Motivation jedes Monster in seiner stärksten Form zu besiegen. Sich selbst und seinem Palico die beste Ausrüstung zu schmieden. Jedes Kleintier im Spiel zu fangen. Das alles und noch viel mehr zieht den Spieler in seinen Bann, solange man sich darauf einlässt. Capcom hat es wieder geschafft und direkt zum Beginn des Jahres einen heißen Anwärter auf das Spiel des Jahres herausgebracht. Wer jetzt denkt, dass das überstürzt sei - wir lesen uns am Ende des Jahres wieder.

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5 von 5 Palicos.

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