Maid of Sker

   Von Miggi

Maid of Sker, Wales Interactive, Suo Gân, walisisch, Survival Horror, First Person, 1898, Elisabeth Williams, Musik, Singen, SOMA, Calon Lân, Ar Hyd Y Nos, Familie, Blind, Horror, Folklore, Onkel, Vater, Sirene, Platten, Stille Männer, Thomas Evans

Ich mag Horror. Mochte ich immer schon. Seit ich damals in noch viel zu jungen Jahren Spiele wie Silent Hill und Resident Evil für mich entdeckt habe und spät in der Nacht heimlich Filme wie Halloween und Friday the 13th auf VOX gesehen habe, wenn ich mal sturmfrei hatte. War ich damals noch zu jung dafür? Vermutlich. Hat es mir geschadet? Wer weiß. Würde ich es wieder tun? Jap. Die Faszination und Liebe zu gruseligen Geschichten, hat sich jedenfalls bis heute gehalten. Und was alles immer noch gruseliger macht sind Sätze wie "Diese Story basiert auf wahren Begebenheiten." oder "Inspiriert von einer alten Erzählung". Das macht alles irgendwie greifbarer und gibt mir das Gefühl, als wäre es wirklich so passiert. Was natürlich Quatsch ist. Aber für mich ist es guter Quatsch. Das von Wales Interactive entwickelte Maid of Sker basiert jedenfalls auf Folklore - und ich meine nicht das neue Taylor Swift-Album, sondern eine alte, britische Geschichte.

Der First Person Survival Horror spielt im Jahr 1898 und beginnt für euch in einem Zug auf dem Weg in ein abgelegenes Hotel. Ihr spielt als Protagonist Thomas Evans, der eine alarmierende Nachricht seiner geliebten Elizabeth Williams erhält. Nach einem kurzen Spaziergang durchs Gestrüpp und einer übernatürlichen Begegnung mit einer Art Lichtwesen kommt ihr dann endlich am Hotel an und betretet dieses. Drin findet ihr eine verlassene Rezeption und Haupthalle vor, an der Wand hängt noch ein großer Banner, der für die große Wiedereröffnung am 30. Oktober 1897 aufgehängt wurde und überall liegen Koffer und andere Dinge verstreut. Nur ein Telefon steht in der Ecke und klingelt. Ihr merkt es vielleicht schon, irgendetwas stimmt mit dem Sker Hotel nicht und es liegt nun an euch das Rätsel zu lösen. Das Spiel wurde übrigens unter anderem von den Talenten geschrieben und gestaltet, die auch schon für den Indie-Horror-Hit SOMA verantworlich waren.

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Willkommen, Bienvenue, Welcome!

Als erstes macht ihr das, was man in so einem Moment natürlich als erstes macht - ans Telefon gehen. Am anderen Ende der Leitung begrüßt euch - nicht ganz so überschwänglich und fröhlich, wie ihr es euch vielleicht erhofft hattet - eine ängstliche Elizabeth und erklärt euch, dass sich im Hotel gefährliche Wesen aufhalten: ihre Familie, die Bediensteten und die Hotelgäste. Sie selbst hat sich im Dachboden Schutz gesucht und schickt euch nun los vier Metallzylinder zu suchen, die im ganzen Hotel verteilt liegen. Mit diesen sollt ihr den Fluch aufheben können, der auf den Menschen im Hotel liegt. Außerdem warnt sie euch, nicht zu laut zu sein. Eure Gegenseite ist nämlich blind, kann dafür aber sehr gut hören. Ups. Hätte ich mal lieber nicht die Klingel an der Rezeption so oft betätigt. Schnell weg hier.

 

Das Spiel ist dabei ähnlich wie Outlast gestaltet - ihr habt keinerlei Waffen und erst mal auch keine anderen Werkzeuge, die ihr zu eurer Verteidigung nutzen könnt. Relativ spät im Spiel findet ihr als einziges Hilfswerkzeug eine kleine Kugel, mit der ihr Schallwellen ausstoßen könnt, die die Monster kurz außer Gefecht setzt. Aber auch hier müsst ihr vorsichtig sein und nach Benutzung schnell abhauen, eure Gegner*innen erholen sich nämlich echt schnell. Für euch getestet und mit dem Leben bezahlt. Und apropos mit dem Leben bezahlt - automatische Saves gibt es in Maid of Sker nicht. Habt ihr zu lange nicht gespeichert und sterbt, startet ihr genau da, wo ihr das letzte Mal an einem der Grammophone, die im Hotel verteilt sind, euren Spielstand gesichert habt. Haltet also unbedingt immer Ausschau nach den Räumen mit der grünen Tür und macht davon Gebrauch. Auch für euch getestet.

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Damit euch das aber erst gar nicht passiert, schleicht ihr so leise es geht durch das Hotel. Je nachdem wie schnell ihr lauft und ob ihr aufrecht steht oder kriecht, hören euch eure Feinde und verfolgen euch dann auch schon mal. Also wirklich weit. In solchen Situationen könnt ihr davon Gebraucht machen, dass ihr per rechter Schultertaste die Luft anhalten könnt. Das ist vor allem dann nützlich, wenn ihr sehr nahe an den Gegner*innen vorbei müsst, an rauchendem Feuer entlang geht oder in ein Gebiet kommt, in dem Sporen in der Luft liegen. Im weiteren Spielverlauf werdet ihr auch mit Rauchbomben konfrontiert, durch deren Gas ihr ebenfalls mit angehaltener Luft laufen könnt.

 

Optisch macht Maid of Sker einiges her und hat mir nicht nur durch die First Person-Perspektive sehr starke Resident Evil 7-Vibes mitgegeben. Das Hotel ist über alle Etagen weg schön gestaltet, der Aufbau ist gleichzeitig verschachtelt, aber trotzdem sehr gut navigierbar. Für jedes Stockwerk findet ihr Karten, mit denen ihr euch noch besser zurecht finden könnt und die verschiedenen Gebiete bzw. Raumgruppen sind nicht zu eintönig. Was ich nur etwas seltsam fand war der Filter, der über das Spiel gelegt wurde bzw. wie dieser eingesetzt wird. Steht man still, sieht alles um einen herum scharf und "normal" aus, läuft man allerdings los verschwimmt alles ein bisschen. Das hat mich anfangs so verwirrt, dass ich drei Mal zurück in die Einstellungen bin, um nachzusehen, ob ich irgendetwas falsch eingestellt habe. Mit der Dauer habe ich mich dann daran gewöhnt, aber eine Möglichkeit den Filter zu deaktivieren, hätte ich mir hier trotzdem gewünscht.

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Der Fokus liegt in Maid of Sker aber ganz klar nicht auf visueller sondern akustischer Ebene. Das 3D-Sound-basierte KI-System der Feinde hat mich immer wieder überrascht und mit fortschreitender Spieldauer immer vorsichtiger werden lassen. Genau so wie die vielen Geräusche um euch herum, die stets zusätzliche Spannung erzeugen. Die eingebauten walisischen Hymnen, gesungen von der Sängerin und Komponistin Tia Kalmaru passen perfekt zur Atmosphäre des Spiels und selbst einige Audio-Rätsel haben ihren Weg ins Spiel gefunden. Was ich sonst bei den meisten Spielen nur halbherzig umgesetzt wahrnehme und oft nervig finde, hat hier für mich sehr gut funktioniert und das Spiel echt bereichert. Und auch wenn ihr durch das Hotel schleicht und gerade nicht verfolgt werdet oder sonst irgendwie aufpassen müsst, wird alles musikalisch passend unterlegt. Spiele wie diese sollten am besten mit einer guten Anlage oder Kopfhörern gespielt werden. Eventuell erschreckt ihr euch an der ein oder anderen Stelle dann umso mehr, aber hey - niemand spielt ein Spiel wie dieses um nicht erschreckt zu werden, oder?

"Maid of Sker zeigt mit seiner atmosphärischen Geschichte und dem Fokus auf Sounds, wie man es richtig macht."

Ich mag Horror. Ich liebe es zuhause alle Vorhänge zu schließen, das Licht auszumachen und mich komplett einzulassen auf das, was ich sehe. Ich spiele keine Gruselspiele, solange es draußen noch zu hell ist und starte keine Filme aus dem Genre zu früh. Vor allem aber mag ich gut gemachten Horror. Und genau das haben wir hier. Maid of Sker zeigt mit seiner spannenden Geschichte und dem Fokus auf Sounds, wie man es richtig macht. Natürlich wird das Genre hier nicht neu erfunden und es gäbe auch ein paar Kleinigkeiten, die das Spiel noch besser machen könnte. Und dazu zähle ich nicht einmal, dass es kein Auto-Save-Feature gibt. Das rechne ich dem Spiel sogar noch eher positiv an, weil es einen noch angsterfüllter durch die Welt gehen lässt. Nichtsdestotrotz hat Wales Interactive die Folklore-Vorlage gut genutzt, spannende Kniffe und Twists beigetragen und ein Spiel geschaffen, das mich in seinen ca. 6 Stunden Spielzeit mehrmals vor Schreck hat aufschreien lassen. Im guten Sinne. Lasst euch also nicht vom etwas trashy wirkenden Artwork täuschen - hinter Maid of Sker versteckt sich ein atmosphärisches Horror-Spiel, das ihr euch auf jeden Fall mal anschauen solltet.

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4 von 5 Schallkugeln.

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