Lost in Random

   Von Miggi

Titelbild des EA Originals Spiels Lost in Random von Zoink Games

Wir alle haben nach der Vergabe der gamescom Awards diesen Sommer etwas geschmunzelt, als ausgerechnet ein Spiel, das von Electronic Arts gepublished wird, den Preis für das beste Indie-Spiel abräumte. Aber keine Sorge, das wird jetzt hier nicht das große EA-Bashing, denn eines muss man ihnen nunmal lassen - neben FIFA und Co. hat die Firma im Rahmen ihrer EA Originals eine starke Sparte für Indie-Spiele geschaffen, in der über die Jahre schon viele Geheimtipps ins Rampenlicht gerückt werden konnten. Und nach Spielen wie Unravel, It Takes Two, Fe oder Sea of Solitude war es jetzt das charmante Action-Adventure Lost in Random des schwedischen Studios Zoink Games, das ebendieses für sich beansprucht hat.

Im Königreich Random wird euch hier die Geschichte der Geschwister Even und Odd erzählt. Dort, wo sie leben wird das Schicksal aller von der Königin bestimmt, sobald sie 12 Jahre alt werden. In einer Zeremonie würfelt diese mit ihrem schwarzen Würfel die Zukunft der Kinder aus und je nachdem, welche Zahl am Ende oben liegt, haben die jungen Bewohner*innen eine rosige Zukunft vor sich, oder eben nicht. Als Odd von der Königin entführt wird, macht sich Even auf die Reise, um nicht nur ihre Schwester, sondern direkt das ganze Königreich zu retten. Ihr zur Seite steht dabei ein kleiner Würfel namens Dicey, den ihr recht früh in der Geschichte trefft und, um den sich so einige Geheimnisse ranken.

Even greift umringt von Gegnern nach ihrem Würfel im EA Original Lost in Random von Zoink Games
Gib mir ne 6! Mama braucht neue Socken!

Spielerisch ortet sich Lost in Random irgendwo zwischen Real-Time-Kämpfen in bester Action-Adventure Manier und Deckbuilding Kartenspiel ein. Und ja, ich weiß, das klingt im ersten Moment total abstrus und verwirrend. Und auch im zweiten Moment denkt man sich vielleicht noch "Hä? Welchen Fiebertraum hatte er denn?". Aber hear me out: mit Würfelkumpel Dicey im Gepäck stürzt ihr euch in die Kämpfe, in denen ihr erst mal Energie sammeln müsst. Dazu schießt ihr entweder mit eurer Steinschleuder den Monstern Kristalle vom Körper oder weicht ihren Angriffen mit eurem Dash aus. Habt ihr dann genug Energie angesammelt, werden im unteren Bildschirmbereich Karten aufgedeckt und ihr könnt Dicey werfen. Je nachdem welche Augenzahl ihr so würfelt, könnt ihr verschiedene Karten ausspielen, die euch dann im Kampf weiterhelfen.

 

Die Karten werden hier in 3 Kategorien unterteilt - Kampf, Hilfe und Störung. In der Kategorie Kampf könnt ihr ein Schwert und einen Bogen, aber auch andere Gegenstände wie Bomben ausspielen, die euren Gegner*innen Schaden zufügen. In der Hilfe-Kategorie verbergen sich Karten wie etwa ein Schutzschild oder auch Zauber, die die Kosten eurer restlichen Karten verringern. Zu guter Letzt könnt ihr mit Karten der Störungskategorie euer Gegenüber schwächen oder auch die Zeit verlangsamen. Je weiter ihr im Spiel vorankommt, desto mehr Karten stehen euch zur Verfügung, die ihr in eurem Deck verwerten könnt. Hier ist natürlich Geschick gefragt, denn wer sein Deck nur mit Angriffskarten füllt, wird mit der Zeit eher Probleme bekommen.

Even und Dicey spazieren im EA Original Lost in Random von Zoink Games durch eine Stadt
Alea iacta est. Also hier noch nicht, da steht er noch. Aber bald.

Mit der Zeit werdet ihr aber nicht nur mit Standard-Kämpfen konfrontiert, die teilweise schon schwer genug sind, sondern kommt teilweise auch in besondere Areale, in denen ein Spielbrett auf euch wartet. Dort müsst ihr nicht nur gegen die üblichen Monster kämpfen, sondern gleichzeitig auch noch eine Spielfigur ans Ziel bringen, die sich je nach eurem Würfelergebnis nach vorne bewegt. Auf dem Feld verteilt sind aber auch Hindernisse, die erst verschwinden, wenn alle Gegner*innen in eurem aktuellen Abschnitt besiegt sind und andere Kleinigkeiten, die euch den Abschnitt teils leichter aber auch schwerer machen können. Und natürlich werdet ihr es auch mit Bosskämpfen zu tun bekommen, die noch einmal euer ganzes Geschick und Kartenglück fordern. Neben des außergewöhnlichen Spielprinzips kann Lost in Random aber vor allem mit seiner Optik punkten.

 

Wenn man Tim Burton und die Gebrüder Grimm mit ein bisschen Knetmasse und Stop-Motion-Equipment in einen Raum gesperrt hätte, wäre wahrscheinlich genau das hier dabei rausgekommen. Eure Reise durch die sechs Reiche von Random, die allesamt mit jeweils ganz eigenem Thema und Stil daherkommen, führt euch durch eine zauberhafte Welt mit charmanten Charakter-Designs und Figuren, die genau so gut direkt aus einem Märchen entsprungen sein könnten. Untermalt wird das ganze von einem perfekt passenden Soundtrack von Blake Robinson, der unter anderem auch schon für The Stanley Parable komponiert hat.

Even und Dicey spazieren im EA Original Lost in Random von Zoink Games durch eine Stadt
Der Screenshot könnte so auch in einem etwas düsteren Animations-Film gemacht worden sein.

 

Neben der Hauptstory habt ihr in den sechs Reichen von Random auch die Möglichkeit für verschiedene NPCs optionale Quests zu erfüllen, die euch mit Karten oder Geld belohnen. Und die fühlen sich überhaupt nicht so random an, wie es der Name des Spiels eventuell vermuten lässt. Alle Charaktere erzählen eine sinnvolle Geschichte und tragen zum großen Ganzen der Welt bei. In den ungefähr zehn bis 15 Stunden, die man während seiner Reise im Königreich verbringt, trifft man auf so viele Charaktere, die einfach im Gedächtnis hängen bleiben, auch wenn sie nicht direkt Teil der Hauptstory sind. Und wer die Augen gut offen hält, kann in den diversen Bereichen dann auch noch allerhand extra Cash finden, den ihr dann wiederum beim Händler eures Vertrauens in Karten umtauschen könnt.

"Lost in Random überzeugte mich mit einem frischen Spielprinzip, einer Burton-esquen Optik und einer zauberhaften Inszenierung im Stile eines Märchens."

Ja, natürlich ist es witzig, wenn ein von EA gepublishtes Spiel den Best Indie Award der gamescom gewinnt. Aber nachdem ich das Spiel nun selbst gespielt habe, muss ich sagen - der Award ist komplett zurecht an die Entwickler*innen von Zoink Games gegangen. Lost in Random überzeugte mich mit einem frischen Spielprinzip, einer Burton-esquen Optik und einer zauberhaften Inszenierung im Stile eines Märchens. Die Geschichte um Even, Odd und Dicey hat mich gut unterhalten, die Kämpfe waren bis zum Schluss unterhaltsam und in der Spielwelt hätte ich mich auch noch weiter aufhalten können, ohne, dass es langweilig geworden wäre. Lediglich ein bisschen mehr Abwechslung bei den Gegner*innentypen wäre ganz nett gewesen und hat man erst mal seine Lieblingskombi an Karten gefunden, sind auch die Kämpfe nicht mehr sooo fordernd, wie ich mir das teilweise gewünscht hätte. Alles in allem ist das aber Jammern auf sehr hohem Niveau und wer Zeit hat, sollte auf jeden Fall einen Blick nach Random werfen.

Wertung zum EA Original Lost in Random von Zoink Games
4,5 von 5 Diceys

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