In Sound Mind

   Von Miggi

Titelbild zu In Sound Mind von We Create Stuff und Modus Games

Ich hab ja eine schwäche für Horrorspiele. Natürlich gibt es da die Klassiker und Genre-Urgesteine wie Resident Evil und Silent Hill oder auch neuere Ableger wie The Evil Within oder auch die The Park Pictures Anthology-Spiele. Und dann gibt es noch einen wahnsinnig großen Pulk an Indie-Horror-Games, die oft bei vielen unter dem Radar laufen, manchmal aber echte Perlen sind. Sowas wie Maid of Sker oder Mundaun zum Beispiel, die unfassbar gute Horror-Erlebnisse sind. Und genau diese Indie-Titel sind es, für die ich eine ganz besondere Schwäche habe. Natürlich gibt es da aber auch immer die etwas höhere Chance, dass man auf die Schnauze fällt und sich durch einen Titel quält, der am Ende gar nicht so geil ist. Mittlerweile kann ich das aber recht gut aussieben und schaffe es, fast nur noch die guten Titel zu erwischen. Bei In Sound Mind war es dann wieder mal soweit, dass ich dachte: "Huh. Das sieht eigentlich ganz geil aus und klingt gut. Das guck ich mir an!"

Am Anfang von In Sound Mind, das aus der First Person gespielt wird, wacht ihr in einem Hausflur auf, der eurem Protagonisten, Desmond Wales, nicht bekannt vorzukommen scheint. Relativ schnell findet ihr aber heraus, dass Desmond Psychotherapeut ist, was aber nicht ganz so schnell erklärt wird, sind die Fässer mit Chemikalien, die im ganzen Gebäude rumstehen oder wer der mysteriöse Typ ist, der Desmond immer wieder anruft. Um das herauszufinden, müsst ihr tief in eurer Vergangenheit bzw. der eurer Patient*innen kramen. Findet ihr nämlich bestimmte Tapes, könnt ihr diese in eurem Büro abspielen und damit die Therapie-Sessions der jeweiligen Person nochmals nachhören bzw. darin eintauchen und diese als Level nacherleben. Psychonauts in sehr sehr düster und gruseliger quasi.

Desmond erhält von einer Puppe einen Schlüssel in In Sound Mind von We Create Stuff und Modus Games
Danke für den Schlüssel, Dave!

Die verschiedenen Passagen haben dabei immer einen Bezug zur Person, deren Tape ihr gerade eingelegt habt. Das erste große Level ist dabei zum Beispiel ein Supermarkt, in dem eine Geisterfrau ihr Unwesen treibt. Ihr findet über das Spiel hinweg immer wieder Gadgets, die euch einserseits dabei unterstützen das aktuelle Level abzuschließen, andererseits aber auch danach noch oft eingesetzt werden. Teilweise hat das fast etwas Metroidvania-artiges, da man mit den gesammelten Gegenständen immer wieder neue Areas erkunden kann, die einem vorher noch versperrt waren. Besonders spannend fand ich dabei die Spiegelscherbe, mit der ihr sehen könnt, was sich gerade hinter euch befindet, die aber auch übernatürliche Fähigkeiten besitzt und euch Dinge anzeigt, die ihr mit bloßem Auge nicht sehen könnt.

 

Anders als in Spielen wie Outlast müsst ihr euch aber bei In Sound Mind vor auftauchenden Gefahren nicht direkt verstecken, sondern bekommt im Spielverlauf verschiedene Waffen, mit denen ihr euch verteidigen könnt. Zu Beginn habt ihr zwar nur die eben erwähnte Spiegelscherbe, die ihr auch offensiv einsetzen könnt, ihr erhaltet aber auch Schusswaffen wie eine Pistole, mit der ihr direkt auf eure Gegner schießen könnt. Das hin- und herwechseln der Waffen und Gegenstände ist im Spiel allerdings etwas mühsam, da ihr kein Waffenrad oder Inventar mit Shortcuts habt, sondern mit den rechten und linken Bumpern jedes Gadget manuell durchwechseln müsst, bis ihr beim Richtigen angekommen seid. Das nervt nicht nur, sondern hat bei mir öfters dazu geführt, dass ich meine Waffe erst viel zu spät parat hatte und die Monster schon direkt vor mir standen, obwohl sie aus zehn Metern Entfernung auf mich zugelaufen sind.

Desmond hält eine Spiegelscherbe in der Hand in In Sound Mind von We Create Stuff und Modus Games
Spieglein, Spieglein in der Hand...

Was mich auch sehr positiv überrascht hat war, dass sich In Sound Mind nicht nur auf billigen Jumpscares ausruht, sondern es schafft eine Atmosphäre zu schaffen, in der man sich irgendwie unwohl fühlt. Ok, ja, natürlich gibt es auch Jumpscares, aber diese nehmen im Spiel nicht den Hauptteil des Horrors ein. Vielmehr sind es die einzelnen Gebiete gepaart mit den verschiedenen psychischen Problemen der jeweiligen Patient*innen, die sinnvoll ins jeweilige Levelgeschehen eingebaut wurden, die es einem kalt den Rücken runterlaufen lassen. Dadurch sind die verschiedenen Passagen allesamt auch sehr unterschiedlich in ihrem Aufbau und nichts fühlt sich recycelt an, wodurch die Spannung natürlich noch mal umso mehr steigt. In allen Levels könnt ihr neben Story-Stückchen auch versteckte Power-Ups finden, mit denen euer Protagonist schneller laufen kann oder mehr Gesundheit erhält. Die Augen offen zu halten lohnt sich also.

 

Auf die Kämpfe muss man sich im Spiel erst mal ein bisschen eingrooven. Anfangs hatte ich wirklich Probleme dabei, mit meiner Waffe zu zielen bzw. die Bewegungsmuster der Monster einzuschätzen, je weiter das Spiel voranschritt, desto besser wurde ich aber auch da. Am Ende saßen die Headshots dann perfekt und die Kämpfe haben echt Spaß gemacht. Neben Kampfsequenzen verstecken sich in den Levels aber auch Rätseleinlagen, die mal relativ offensichtliche Lösungen haben, manchmal aber auch echt knifflig sind. Ich habe mich aber echt gefreut, dass man hier ein bisschen mehr versucht hat als "bringe Item X zu Ort Y". Rätsel und Kämpfe wechseln sich auch immer gut ab, wodurch der eine Part nie Überhand nimmt zum jeweils anderen und die Balance so echt gut geglückt ist.

Desmond steht in einem Raum mit Fernsehern in In Sound Mind von We Create Stuff und Modus Games
Vom zu viel Fernsehen bekommst du viereckige Augen, haben sie gesagt. Tja. Und jetzt siehst du, was du davon hast!

Grafisch ist In Sound Mind natürlich kein super gepolishter AAA-Titel. Und das habe ich auch gar nicht erwartet, das Team We Create Stuff, die man eventuell aus dem Half Life 2-Mod Nightmare House 2 kennen könnte, ist nunmal ein Indie-Studio. Dafür haben sie aber einen echt guten Job gemacht und eine sehr schicke Spielwelt geschaffen. Wer das Spiel startet, sollte aber damit rechnen immer wieder mal ein paar Ruckler zu erleben, vor allem wenn ihr euch schnell umdreht oder zwischen dem Spiegel und der normalen Ansicht wechselt. In wirklich wichtigen Situationen lief das Spiel bei mir zum Glück aber immer flüssig und auch die paar Ruckler waren nicht krass störend. Für den Soundtrack des Spiels, der mir sehr gut gefallen hat, konnte man The Living Tombstone aka Yoav Landau engagieren, den manche von euch eventuell durch "Five Nights at Freddy's 1 Song." kennen könnten.

"In Sound Mind nimmt euch mit auf eine gruselige Reise durch die Psychen eurer Patient*innen und kann dabei mit abwechslungsreichen Leveldesigns und einer düsteren Atmosphäre punkten."

Und wieder einmal hat mich mein Instinkt nicht im Stich gelassen. Nachdem mich schon die ersten Bilder und Beschreibungen und der Trailer neugierig gemacht hatten, hat mich das fertige Spiel auch nicht enttäuscht. In Sound Mind nimmt euch mit auf eine gruselige Reise durch die Psychen eurer Patient*innen und kann dabei mit abwechslungsreichen Leveldesigns und einer düsteren Atmosphäre punkten. Der Einsatz der diversen Waffen und Gadgets macht Spaß, Rätsel und Kämpfe sind schön abwechslungsreich und ich hatte ungefähr neun Stunden eine echt gute Zeit mit dem Titel. Natürlich ist das Spiel nicht perfekt und hat hier und da Macken, die man noch hätte ausbessern können, aber hey, dafür, dass es sich hier um einen Indie-Titel handelt, ist das ganze schon echt sehr sehr gut. Wer vor allem jetzt im Spooktober Bock hat ein bisschen Gruselstimmung aufkommen zu lassen, mit The Medium schon fertig ist und auch schon Geheimtipps wie Mundaun durchgespielt hat, sollte sich das hier mal zu Gemüte führen.

Wertung zu In Sound Mind von We Create Stuff und Modus Games
4 von 5 Tonias.

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