Heave Ho

   Von Miggi

Heave Ho, Devolver Digital, Le Cartel Studio, Frederic Coispeau, Switch, Nintendo, Coop, Lama, Multiplayer, Münze, Kostüm, Vier, Hände, Schwing, Party

Devolver Digital. Der 2009 gegründete amerikanische Publisher feiert dieses Jahr nicht nur zehnjähriges Jubiläum, sondern hat sich in der Videospielszene mittlerweile mehr als nur einen Namen gemacht. Verrückte E3-"Pressekonferenzen", eine besondere Nähe zur Community, frischer Humor und vor allem eine einzigartige und gleichzeitig eigensinnige Spielebibliothek. Seit kurzem zählt zu dieser auch der von Le Cartel Studio entwickelte Titel Heave Ho. Das französische Entwicklerteam  könnte einigen von euch schon durch den Titel Mother Russia Bleeds aus dem Jahr 2016 ein Begriff sein. Als Teil des gamescom-Lineups von Devolver konnten wir in Köln schon einen kurzen Blick auf den Coop-Spaß werfen, mittlerweile habe ich das Spiel ausgiebig getestet, allerhand Kostüme freigeschalten und mich über diverse Abgründe geschwungen.

Die Story von Heave Ho ist relativ schnell erzählt, denn es gibt überhaupt keine. Wer in dem Coop-Spaß eine Erklärung sucht, warum sich die beinlosen Kreaturen durch die Levels schwingen, wird enttäuscht. Das ist aber absolut nicht schlimm oder gar ein Punkt, den man dem Spiel negativ auslegen könnte. Heave Ho lebt ganz allein davon, dass man sich mit Freund*innen gemeinsam hinsetzt, alle ihren Charakter auswählen, mit verschiedenen Hüten und Accessoires personalisieren und man dann gemeinsam immer schwerer werdende Level in Angriff nimmt.

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Ein Spiel mit Lamas ist ein gutes Spiel.

Das "wie" ist in Heave Ho genau so schnell abgehandelt: mit den beiden Schultertasten kontrolliert ihr je nach Trigger, ob die linke oder rechte Hand zugreift. Festhalten könnt ihr euch an eigentlich allen Oberflächen, nur Stacheln solltet ihr natürlich meiden. Für eine bessere Übersicht habt ihr die Wahl, ob eure Figuren verschiedenfarbige Handschuhe tragen, die markieren welche Hand für welche Taste steht. Denn selbst mit der aktivierten Hilfe muss man manchmal überlegen, welchen Trigger man nun loslassen muss, wenn man gerade an einem Seil hängt, einen zweiten Charakter in der anderen Hand und man versucht sich gemeinsam mit Schwung zum nächsten Ankerpunkt zu schwingen. Der Tipp ruhig zu bleiben und kurz nachzudenken, ist sehr offensichtlich, ich hätte ihn mir selber als Mantra aber ruhig öfter vorsagen können, wenn ich so überlege, wie viele Tode auf meine Kappe gingen.

 

Zu tun gibt es für euch insgesamt genug: Heave Ho lässt euch acht Abschnitte durchklettern, die noch einmal in jeweils fünf Levels unterteilt sind. Am Ende wird eure Zeit zusammengerechnet und der Rekord - der beim First Try eher keiner ist - schreit nach dem ersten Durchgang natürlich danach, gebrochen zu werden. Jedes Level durchzieht dabei neben dem Hintergrundstil ein bestimmtes Thema an Hindernissen, das ihr überwinden müsst. Einmal sind es elektrische Oberflächen, die ihr zum richtigen Zeitpunkt erreichen müsst, ein anderes Mal sind es rollende Steine, die ihr zu euren Gunsten nützen müsst. Für jeden der acht Abschnitte gibt es dann noch einen Hard Mode, in dem das Thema gleich bleibt, die Levels aber wesentlich schwerer sind. Wer also alles im Spiel schaffen und dabei noch Bestzeiten aufstellen will, hat einiges zu tun.

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Canyoning 2.0

Obwohl Heave Ho auch mit der Möglichkeit kommt, die Levels alleine zu bestreiten, ist das wahre Herzstück des Spiels der Multiplayer-Modus. Und je mehr Leute ihr seid, desto chaotischer und vor allem lustiger wird das Spiel. Wo ihr euch zu zweit noch relativ gut absprechen und kontrolliert Hindernisse überwinden könnt, wird es zu viert teilweise einfach nur verrückt. Läuft dann noch ein Lama durchs Bild, das eine (vermutlich übel riechende) grüne Wolke am Bildschirm hinterlässt, die sich über das Level legt, ist das Chaos perfekt. Wer also mit dem Gedanken spielt, sich das Spiel zu holen, sollte das in dem Wissen tun, dass sich das echte Potenzial nur mit Mitspieler*innen entfalten wird.

 

Eure Figuren könnt ihr ganz nach Belieben selbst gestalten, mit Kostümen, die ihr nach und nach freischaltet. Darunter finden sich einige Highlights, unter anderem auch aus anderen Spielen, die von Devolver Digital gepublished sind, wie Gato Roboto, Pikuniku oder Fall Guys: Ultimate Knockout. Damit ihr euch die Kostüme aber an der Maschine, die diese ausspuckt, überhaupt leisten könnt, müsst ihr in den Levels erstmal Münzen sammeln. In jedem Level gibt es davon eine, die ihr ins Ziel befördern müsst. Und das ist nicht immer so einfach. Anfangs zahlt ihr für neue Kostüme eine Münze, je weiter ihr vorankommt, desto teurer wird eine Kapsel aus dem Automaten.

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Keep rollin', rollin', rollin'.

Neben Münzen, pupsenden Lamas und Hindernissen finden sich in den Levels aber auch weitere Geheimnisse. Teilweise ploppen zufällig Schalter auf, die ihr schnell betätigen müsst und die euch dann zu einem von drei Minispielen bringen, in denen ihr Basketball spielt, Tanzmoves nachahmt oder in kurzer Zeit in ein kleines Zeilgebiet kommen müsst. Darin könnt ihr zusätzliche Münzen verdienen und werdet nach Abschluss wieder ins eigentliche Level zurückgebracht. Optisch erwartet euch in Heave Ho ein farbenfrohes Spektakel mit einem Look, der wie grob gezeichnet aussieht und auch auf technischer Ebene gibt es nichts zu bemängeln: Die Steuerung sitzt und auch irgendwelche Ruckeleinlagen müsst ihr zum Glück nicht erwarten. So werden euch am Weg ins Ziel zum Glück nicht noch weitere Steine in den Weg gelegt. Außer ihr spielt ein bisschen gegeneinander und nutzt das liebevoll getaufte "F*** OFF" Feature und schubst euch gegenseitig über die Map. Hehehe.

"Heave Ho ist im besten Maße unkonventionell und liefert allerbesten Coop-Spaß für bis zu vier Personen."

Devolver Digital konnte mit dem neuesten Machwerk von Le Cartel Studio wieder ein Spiel ihrer Bibliothek hinzufügen, das sich perfekt darin eingliedern kann. Heave Ho ist im besten Maße unkonventionell und liefert allerbesten Coop-Spaß für bis zu vier Personen. Der farbenfrohe eigenwillige Stil hat mich komplett überzeugt, die charakteristischen Figurendesigns werden durch einen Haufen lustiger Kostüme abgerundet und auch die Levels mit ihren verschiedenen Elementen laden stets dazu ein sie wiederzuspielen, um eine neue Bestzeit aufstellen zu können. Das Spiel wird auf jeden Fall nicht nur bei mir viele kommende Partyspiel-Abende spaßiger - und vermutlich auch lauter - machen und erfüllt damit genau den Zweck, den es erfüllen soll. Was man natürlich bei einem Spiel, das so viel Spaß macht immer gerne sehen würde, wären mehr Levels und in diesem Fall mehr Kostüme. Eventuell werden die ja noch irgendwann per DLC nachgereicht. Ich würde es mir wünschen. Bis dahin wünsche ich euch allen frohes Schwingen!

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5 von 5 Pharao-Pirat-Renaissance-Figuren.

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