Final Fantasy VII Remake

   Von Miggi

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Es ist lange her, also wirklich wirklich lange, dass ich Final Fantasy VII das letzte Mal komplett durchgespielt habe. Ja, ich habe zwischendurch zum Beispiel den Port auf der Playstation 4 gekauft und auch auf der Nintendo Switch bin ich wieder schwach geworden. Aber mehr als ein bisschen reinspielen, um ein paar Erinnerungen kurz noch einmal aufleben zu lassen war dann auch nicht drin. Aber trotzdem hat das Spiel einen ganz besonderen Platz in meiner persönlichen Videospiel-Historie. Und das nicht wegen des offensichtlichen Grundes, dass es bis heute ein fantastisches Spiel ist. Dass es das ist, dürfte wohl aber sowieso niemand bezweifeln. Ich habe das Spiel damals in einem kleinen Laden für Trading Cards und alles drumherum mit Freunden das erste Mal gesehen. Wir haben die PS One - zugegebenermaßen schon eine Weile nach Release - an einen (viel zu) kleinen Röhrenfernseher angesteckt, dort den ganzen Nachmittag bis spät abends gesessen und abwechselnd das Spiel vorangetrieben. Als ich nach Hause musste, war mir klar, dass ich dieses Spiel selbst spielen musste. Und genau das habe ich dann auch getan. Exzessiv.

Ich bin mir relativ sicher, dass nicht nur ich eine ganz besondere Geschichte zu Final Fantasy VII habe. Von einigen Freund*innen kenne ich sie, von vielen nicht. Und trotzdem weiß ich, dass es einen Grund hat, dass dieses Spiel bei Videospielfans weltweit den Stellenwert hat, den es nunmal besitzt. Unter diesen Umständen war es für Square Enix auch auf keinen Fall einfach, das 1997 veröffentlichte Spiel neu zu überarbeiten und auf die aktuelle Konsolengeneration zu holen. Irgendwer würde sich wohl immer beschweren. Trotzdem entschied man sich dazu und nach mehreren erfolglosen Anläufen, die schon in der ersten Findungsphase im Sand verebbten, startete 2015 die finale Produktion von Final Fantasy VII Remake, also nicht allzu lange nach Release der Playstation 4 und Xbox One. Und knapp 5 Jahre später, kurz vor Release der nächsten Generation, durften wir endlich wieder nach Midgar reisen und in die Rolle des Söldners Cloud Strife schlüpfen.

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Aufs Maul?

Das große Kernstück von Final Fantasy VII Remake ist, wie auch schon im Original, natürlich die Story und die Entwicklung der Charaktere. Über diese selbst (und wahrscheinlich auch die Geschichte) muss ich an dieser Stelle wohl nicht mehr allzu viel Worte verlieren. Mindestens Hauptfigur Cloud Strife oder Antagonist Sephiroth sind seit Jahren weit über das Spiel hinaus bekannt und zu popkulturellen Ikonen geworden. Aber auch Figuren wie Tifa, Aerith und Barret dürften nicht nur eingefleischten Final Fantasy-Fans ein Begriff sein. Die Charaktere sind im Remake natürlich ikonisch wie eh und je, gleichzeitig erlaubt die Neuauflage den Macher*innen andere Charaktere wie Jessie genauer zu beleuchten und ihnen so noch mehr Tiefe zu geben. Dies fügt sich ausgezeichnet in die Grundgeschichte mit ein und fühlt sich an, als wäre es immer schon da gewesen. Die Hauptstory wird so fesselnd und sinnvoll ausgeweitet und die Angst vieler, dass das Spiel einfach nur in die Länge gestreckt wird, kann hier vom Tisch gefegt werden. Im Gegenteil, die Story ist wahnsinnig gut umgesetzt und spielt sich wie ein interaktiver Film, der einen von Anfang bis Ende packt.

 

Im Laufe des Spiels werdet ihr abseits der Geschichte aber auch mit einigen Nebenquests beschäftigt sein. An mehreren Punkten erreicht ihr verschiedene "Hub"-Gebiete, in denen diverse NPCs auf euch und eure Fähigkeiten als Ex-SOLIDER warten. Da schickt euch eine Figur los, um die fortgelaufenen Katzen zu finden, ein Shopbesitzer möchte, dass ihr der Rattenplage Herr werdet, die ihm sein Geschäft versaut und woanders sollt ihr ein paar Drachen ausschalten, die dort ihr Unwesen treiben. Diese Nebenquests machen im ersten Hub noch Spaß, sind im zweiten noch immer nicht nervig per se, allerspätestens ab Gebiet 3 sind sie aber mehr Last als spaßige Nebenbeschäftigung. Ich habe sie dann auch nur noch gemacht, weil ich bei Spielen einfach gerne alles so gut wie möglich erkunde und so viel wie möglich sehen möchte. Natürlich gibt es auch hier positive Gegenbeispiele, diese sind aber leider in der Unterzahl. Im Grunde keine Nebenquest, dafür aber stets motivierend sind Battle-Intels, die ihr für den NPC Chadley sammelt. Dieser belohnt euch für verschiedene Leistungen in den Kämpfen, was mir teilweise das Kampfsystem selbst noch besser beigebracht hat.

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Das sieht aus, als hätte es weh getan.

Wo wir auch schon beim nächsten Punkt angekommen sind: das Kampfsystem. Wenn ihr das hier lest und euch denkt "Naja, wie soll das schon sein. Rundenbasiert natürlich!" ... ich habe da eventuell schlechte Nachrichten für euch. Die Kämpfe in Final Fantasy VII Remake laufen alle in Echtzeit ab und haben auch sonst nur entfernt viel mit dem Original zu tun. Natürlich gibt es serien-typisch verschiedene Zauber, die ihr euren Figuren per Materia zuweisen könnt, gewirkt werden sie diesmal nur anders. Trefft ihr auf Monster oder Shinra-Personal startet ihr direkt in den Kampf, könnt euch frei bewegen und mit Viereck eure Angriffe abfeuern. Als Cloud könnt ihr mit Dreieck zwischen zwei Angriffs-Stilen switchen, mit der Kreis-Taste eine Ausweich-Rolle aktivieren und mit L1 blocken. So füllt ihr eure ATB-Leiste nach und nach auf und hat sich ein Teil der Leiste gefüllt, könnt ihr Spezial-Fähigkeiten auswählen oder ein Item verwenden. Währenddessen füllt sich auch die ATB-Leiste eurer Mitstreiter*innen und ihr könnt diesen entweder Anweisungen geben oder direkt zu ihnen wechseln. Für mich war dieser Wechsel wahnsinnig erfrischend und die Kämpfe sind mein ganz klares Highlight des Spiels. Ich habe mich über jeden neuen (Boss-)Kampf gefreut und hatte wahnsinnig viel Spaß damit in Echtzeit zwischen den Charakteren hin und her zu schalten, Angriffskombos zu starten und die Stärken der verschiedenen Figuren auszuspielen. Ist euch das zu stressig, könnt ihr aber auch einen einfacheren Modus aktivieren, in dem die Charaktere selbstständig kämpfen und ihr nur die Spezialmanöver selbst auswählt.

 

Neben Materia und Ausrüstungs-Gegenständen wie Armreifen oder Ketten, die bestimmte Attribute anheben, gibt es für jede Figur auch verschiedene Waffen zu finden. Sechs an der Zahl pro Figur, jede davon mit eigenen Stats, die ihr passend zum Spielstil bzw. der Rolle der Figur ausrüsten könnt. Die Waffen sind zudem alle mit einer einzigartigen Fähigkeit ausgestattet, die ihr im Kampf verwenden könnt. Macht ihr das oft genug, lernt eure Figur sie als feste Fähigkeit und kann sie auch mit anderen Waffen weiterhin nutzen. Zu guter Letzt lassen sich die verschiedenen Waffen noch mit Skillpunkten weiter aufwerten: ihr könnte neue Materia-Slots erzeugen, zwei vorhandene verbinden, eurer Figur beim Tragen mehr Lebenspunkte oder Mana geben, die Angriffskraft oder Zauberkraft erhöhen und so weiter. So bekommen die Kämpfe eine ganz andere Form von Taktik als es bisher der Fall war. Natürlich levelt eure Party durch Kämpfe auch noch selbst auf. Dabei habt ihr aber aktiv nichts zu tun, sondern freut euch lediglich darüber, wenn wieder eine Figur ein Level aufsteigt. Nicht nur die Kämpfe sind dabei unterlegt von unglaublich guter Musik - das dürfte jetzt niemanden überraschen, sollte aber erwähnt werden - sondern auch überall sonst begleitet euch der top Soundtrack. In den verschiedenen Gebieten findet ihr dabei auch Schallplatten, die bekannte Stücke remixen und seien wir ehrlich: Hip Hop de Chocobo ist einfach ein unfassbares Brett.

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Ob Aeriths Gebete nach einem gelungenen Remake erhört wurden?

Auch optisch macht Final Fantasy VII Remake einiges her. Und da rede ich nicht nur vom Vergleich mit dem Original. Denn natürlich hat man sich bei den Figuren von Klötzchengliedmaßen verabschiedet, aber auch im direkten Vergleich mit anderen Spielen, sehen Cloud und Co. wahnsinnig gut aus. Leider kann man das nicht vom ganzen Spiel sagen. An manchen Stellen hatte ich leider öfter als gewünscht das Gefühl, dass hier schlampig gearbeitet wurde. Bei der fehlenden Textur an Clouds Zimmertür dachte ich noch, dass das ein kleines Missgeschick war. Kann ja mal passieren, so eine nicht ladende Textur. Mit der Zeit ist das aber leider an den verschiedensten Stellen und so unnormal oft vorgekommen, dass man hier nicht mehr von einem Versehen sprechen kann. Und das größte Problem ist: es fällt noch viel mehr auf, wenn die Hauptcharaktere und andere Umgebungen so detailliert und schön aussehen. Ich hoffe wirklich, dass hier noch nachgepatcht wird, alles andere wäre für mich bei einem Projekt dieser Größenordnung einfach unverständlich. Vor allem, weil das Spiel eben so wahnsinnig schön aussehen kann! Zugute halten kann man dem Spiel auf technischer Ebene aber, dass es auf meiner PS4 Pro keine Ruckler gab und auch im größten Kampf-Effekt-Feuerwerk immer flüssig lief.

"Ich hatte mit Final Fantasy VII Remake eine wahnsinnig gute Zeit, habe so gut wie jede Minute meines Runs genossen und würde das Spiel ohne mit der Wimper zu zucken weiterempfehlen."

Wären die Nebenquests teilweise nicht so egal und hätte das Spiel nicht die eben erwähnten Textur-Probleme, wäre es für mich das perfekte Remake eines Klassikers. Klar ist das absolut subjektiv und viele Leute werden mit meiner Meinung absolut nichts anfangen können. Viele werden von den Änderungen des Kampfsystems abgeschreckt sein, viele haben sich schon im Vorfeld darüber beschwert, dass die Story nur in Midgar selbst stattfindet und das Spiel trotzdem über 30h Spielzeit hat und viele werden irgendwelche ganz anderen Beschwerden haben. So ist das nun mal mit Nostalgie. Ich hatte mit Final Fantasy VII Remake eine wahnsinnig gute Zeit, habe so gut wie jede Minute meines Runs genossen und würde das Spiel ohne mit der Wimper zu zucken weiterempfehlen. Die Änderungen zum Original sind mir in jeder Hinsicht mehr positiv als negativ aufgefallen und ich freue mich jetzt schon auf den Nachfolger, der auf der nächsten Konsolengeneration dann hoffentlich auch nicht mehr von technischem Schluckauf geplagt wird. Wenn ihr das Original liebt, habt ihr das Spiel vermutlich eh schon lange durchgespielt, oder seid gerade mitten drin, aber auch Leute, die das Original nie gespielt haben, können auf jeden Fall einen Blick riskieren. *insert FF Victory Fanfare here*

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4,5 von 5 Chocobos.

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