Fe

   Von Miggi

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Werfen wir einen Blick zurück ins Jahr 2016. Im Juni diesen Jahres - genauer gesagt am 12.06. - präsentierte Electronic Arts im Zuge der E3 einige Neuankündigungen in ihrem EA Play-Livestream. Im Repertoire hatte man Spiele wie Titanfall 2, die aktuellen Ableger der verschiedenen Sport-Reihen und viel Star Wars. Funfact: eines der damals offensiv beworbenen Star Wars-Spiele wurde mittlerweile gecancelt. Star Wars Battlefront II, von dem es zu diesem Zeitpunkt das erste Mal offizielle Infos zu sehen gab, haben wir uns mittlerweile bereits zu Gemüte geführt. Neben den großen Namen blieb bei mir aber vor allem ein "kleiner" Titel im Kopf hängen, da er zwischen den diversen Fortsetzungen und AAA-Titeln klar hervorstach. Electronic Arts hatte nämlich ein Programm namens EA Originals im Gepäck, das kleineren-Entwickler-Studios ermöglichen soll ihre Spiele einem größeren Publikum vorzustellen und mit dem Titel Fe wurde auch sofort der erste Titel im Zuge der Indie-Sparte vorgestellt.

 

Fe wurde vom schwedischen Entwickler-Team Zoink entwickelt. Eines oder mehrere der Spiele von Zoink dürfte der ein oder andere auch schon gespielt haben, zeichneten sie sich unter anderem verantwortlich für Stick it to The Man!, Zombie Vikings oder dem Mobile Game Adventure Time: Rock Bandits. Der große Durchbruch fehlte dem Studio aber bisher noch. Mit Fe blicken sie nun auf ihr erstes Release im großen Rampenlicht und auf die Chance sich in der Spielebranche richtig zu beweisen. Dafür hat man sich einen ganz speziellen Artstyle, eine unkonventionelle Erzählweise und generell eine besondere Art von Spiel ausgesucht.

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s'up?

Nach einer kurzen und nicht sonderlich aufschlussreichen Intro-Sequenz wacht ihr als kleines, fuchsähnliches Wesen in einem dunklen Wald auf. Eure komplette Umgebung ist in ein beinahe monochromes Farbschema getaucht, was sich durch das ganze Spiel zieht. Lediglich die Farbakzente wechseln von Blau über Grün oder auch Rot, je nachdem in welchem der verschiedenen Gebiete ihr euch gerade aufhaltet. Gewisse Elemente in der Spielwelt leuchten zusätzlich noch, was viel zur Atmosphäre von Fe beiträgt. Die Ecken und Kanten sowohl der Welt selbst als auch der Lebewesen in ihr sind im Spiel absichtlich simpler und eckiger gehalten. Dieses besondere Design macht viel vom Charme des Spiels aus und funktioniert nicht nur als simpler Eyecatcher sondern schafft eine besondere Atmosphäre.

 

Die ersten paar Schritte in Fe gestalten sich ähnlich zu anderen 3D-Platformern. Ihr macht euch mit der Steuerung der Figur vertraut und lernt zu springen. Relativ bald eröffnet sich euch aber die besondere Gameplaymechanik. Durch Drücken der rechten Schultertaste beginnt euer kleiner Fe zu singen. Je fester ihr die Taste betätigt, desto lauter singt ihr. Das nutzt ihr Anfangs dazu euch mit einem hirschähnlichen Wesen zu verständigen, das euch dabei hilft die ersten Hindernisse zu überwinden. Auch Pflanzen reagieren auf euren Gesang, einige Bereiche sind zu Beginn des Spiels aber noch nicht für euch zugänglich. So schließen sich bestimmte Pflanzen wenn ihr zu ihnen lauft und eure Sangeskünste spielen lassen wollt. Darüber wird euch ein Symbol angezeigt, ähnlich zu dem, das ihr beim Singen über euch schweben habt. Das bedeutet, dass ihr bei dieser bestimmten Pflanze eine andere Stimme anwenden müsst, die ihr im Laufe des Spiels von den Lebewesen des Waldes erlernen könnt. So macht ihr euch auf die Reise nach neuen Gesangsstimmen, Fähigkeiten und der Lösung einer mysteriösen Geschichte.

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In Fe wird mehr gesungen, als in jeder Karaokebar. Ob besser oder nicht, liegt an euch.

Diese Geschichte wird euch nicht durch aufwändige Videosequenzen, Text oder sonstige konventionellen Mitteln erzählt. Es liegt sogar komplett an euch wie viel der Geschichte ihr für euch selbst mitnehmt. Denn die meisten Storyschnipsel erfahrt ihr über das ausgiebige Erkunden eurer Umgebung. Relativ zu Beginn trefft ihr auf die sogenannten Silent Ones, die nicht singen, sondern Lebewesen in runde Käfige aus Energie sperren. Es ist also relativ offensichtlich, dass ihr lieber einen Bogen um sie machen solltet, wenn ihr an eurem digitalen Leben hängt. Alles weitere, als dieses Grundgerüst, findet ihr durch Zeichnungen an diversen Wänden, von denen sich über 100 im Spiel verstecken. Außerdem könnt ihr die Helme von gestrandeten Silent Ones inspizieren und für kurze Zeit durch die Augen ebendieser sehen. Findet ihr im Laufe des Spiels nicht genug von beidem werdet ihr am Spielende ziemlich ratlos vor eurer Konsole sitzen, ich empfehle euch also wirklich aufmerksam jedes Story-Schnipselchen mitzunehmen.

 

Das Gameplay selbst funktioniert ohne Probleme. Lediglich die Geschwindigkeit von Fe ist etwas langsamer als bei Genrekollegen. Erst spät im Spielverlauf erhaltet ihr die Fähigkeit schneller zu laufen, aber auch diese ist immer noch vergleichsweise langsam. Das mag eine bewusste Entscheidung gewesen sein, um Spieler dazu anzuhalten alles genau zu erkunden und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Leider nervt es aber an gewissen Stellen sehr, wenn ihr eine größere Distanz zurücklegen müsst. Wesentlich besser gelungen und flotter ist dabei die Fortbewegung auf Bäumen. Mit ein paar Sprüngen erklimmt ihr die Spitze eines Baums und könnt sogar von Baum zu Baum springen. Mit der Gleitfähigkeit, die später im Spiel hinzu kommt habt ihr so die Möglichkeit den Boden teilweise garnicht mehr berühren zu müssen um euch fortzubewegen. Mit diesen beiden Fähigkeiten ist auch einer der imposantesten Momente des Spiels verbunden, den ich euch aber lieber nicht vorweg nehmen möchte. Die Magie Verstecktes selbst zu entdecken und eure Umgebung zu erkunden ist bei Fe sowieso das A und O.

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I’M A’ FIRIN’ MAH LAZOR!!

An manchen Ecken wirkt das Spielprinzip noch etwas unausgereift, oder vielleicht nicht zu Ende gedacht. Die langsame Fortbewegungsgeschwindigkeit ist zum Beispiel sicherlich gut für die Grundatmosphäre, frustriert aber unnötig wenn ihr einfach nur von Punkt A nach Punkt B laufen möchtet. An manchen Stellen hatte ich auch etwas mit der KI der Wald-Lebewesen zu kämpfen, die ihr zwar durch euren Gesang freundlich stimmen könnt, sie aber teilweise trotzdem nicht das machen, was ihr von ihnen erwartet. Hätte man an ein paar dieser Schrauben noch etwas nachgedreht, hätte ich absolut nichts an Fe auszusetzen. Der simple, aber gleichzeitig unglaublich schöne Artstyle, die perfekt eingesetzte Musik und das interessante Charakterdesign machen das aber mehr als wieder gut.

 

Lässt man sich nämlich erstmal auf die besondere Aufmachung von Fe und die ungewohnte Herangehensweise der Story ein, kann man wirklich viel Spaß mit dem Titel haben. Durch die Kombination verschiedener Fähigkeiten und Gesangs-Stimmen entwickeln sich im späteren Spielverlauf immer kniffligere Rätsel, ganz im Stile großer Vorbilder wie Metroid oder Castlevania. Um wirklich alles in der Welt entdecken zu können, braucht ihr locker mehr als zum einfachen Durchspielen - den Abspann sehen geübte Spieler nämlich recht schnell. Wenn ihr euch nicht lange damit aufhaltet zu erkunden und Geheimnisse finden zu wollen, habt ihr das Grundspiel in circa fünf bis sechs Stunden abgeschlossen. Diese Zeit werdet ihr aber locker verdoppeln, wenn ihr euch auf die Jagd nach jedem Kristall und Silent One-Helm begebt. Und das kann ich euch nur empfehlen, denn die Story hinter Fe ist wirklich sehr schön und verdient es von vielen gespielt zu werden.

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4 von 5 Silent Ones-Hieroglyphen

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