Far Cry 5

   Von Miggi

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Far Cry lebt und fällt mit der Wahl des Settings - und bisher hat Ubisoft was das betrifft noch nie so richtig daneben gegriffen. Far Cry 1, der Serien-Pionier, der den Stein ins Rollen brachte, schickt euch über eine Mikronesische Insel. Far Cry 2, bis heute von vielen für mich zu Unrecht eher stiefmütterlich behandelt, hat den Spieler einen afrikanischen Bürgerkrieg miterleben lassen. Far Cry 3 hat mit seinem tropischen Setting und dem bis heute legendären Antagonisten Vaas Genre-Maßstäbe gesetzt, die bis heute gültig sind und auf die sich oft bezogen wird. Der DLC Blood Dragon hat dem Wahnsinn dann nochmal die Krone aufgesetzt. Im vierten Teil der Reihe durfte der Protagonist den Himalaya bereisen und Pagan Min das Handwerk legen. Far Cry Primal, das den Spieler in die Steinzeit verfrachtet hat, hat dann als eine Art Spin-Off von Teil vier etwas nachgelassen und Serien-Fans haben sich umso mehr auf einen richtigen fünften Teil gefreut. Und dann wurde im Mai 2017 endlich Far Cry 5 angekündigt.

 

Anfängliche Gerüchte bestätigten sich relativ schnell. Far Cry 5 wird in den USA spielen. Mehr war vor der Ankündigung aber nicht wirklich bekannt. Der Announcement-Trailer gab dann weitere Details preis: Die Geschichte wird von einem religiösen Kult in Montana drehen, der die Bevölkerung zittern lässt. In der Haut eines Junior Deputys werdet ihr in die dortigen Vorkommnisse verwickelt und es liegt - Überraschung - an euch in Hope County wieder für Ordnung zu sorgen. Zum ersten Mal im Laufe der Serie dürft ihr dafür sogar euren eigenen Charakter erstellen (männlich oder weiblich) und diesen nach Lust und Laune einkleiden und natürlich mit allerlei Waffen ausrüsten.

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Oh Lawd Jebus.

Ihr startet an der Seite eurer Kollegen in die Mission Joseph Seed, den Anführer der Bewegung Project at Eden's Gate, festzunehmen. Ihr überquert das Gebiet in dem Joseph, seine Geschwister und sein Kult die Macht übernommen haben. Alles wirkt viel zu einfach. Ihr spaziert durch ein kleines Dorf, in dem euch niemand an eurem Vorhaben hindert. Als ihr die Kappelle betretet, droht die Situation kurz zu eskalieren, Joseph Seed lässt sich aber vor den Augen seiner Geschwister und Anhänger festnehmen. Wer Far Cry 4 gespielt hat, wird ein bekanntes Easter Egg hier wiederfinden können. Ihr bringt den Sektenvater bis zu eurem Helikopter und hebt sogar ab. Dass die Geschichte hier noch lange nicht ihr Ende gefunden hat, sollte klar sein. Es kommt, wie es kommen muss und ihr stürzt ab, Joseph kann entkommen und von da an seid ihr der Gejagte. Ihr beschafft euch in der Nähe einige Waffen, legt die ersten Gegner um und die Reise durch Hope County beginnt. Und diesmal soll Joseph und seinen Anhängern am Ende auch wirklich das Handwerk gelegt werden.

 

Wie schon in den vorherigen Teilen bereist ihr die Welt in Far Cry 5 komplett aus der Ego Perspektive. Ob Auto, Flugzeug, Helikopter oder Wingsuit - alles wird in der First Person gespielt und gesteuert. Das Spielerlebnis wird so natürlich um einiges immersiver und die Welt fühlt sich nach einigen Spielstunden an, wie euer Garten. Nur voller religiöser Fanatiker, wilder Tiere und allerlei Dinge, die es zu finden gilt. Durch die große Open World ergeben sich natürlich auch viele versteckte Lager, Sammelobjekte wie Vinyl-Kisten oder Feuerzeuge und viele weitere Dinge, die ihr quer über die Map verteilt finden könnt. Die Spielwelt an sich ist detailreich gestaltet und das amerikanische Hinterland wird sehr glaubhaft transportiert. Man kann sich vorstellen, dass es irgendwo in den USA genau so aussieht. Hoffentlich nur mit weniger Verrückten.

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Who let the Dogs out? Woof, woof, woof, woof.

Natürlich gibt es neben dem Erfüllen der Hauptmission sehr viele Nebenquests, die in der Welt verstreut darauf warten von euch absolviert zu werden. Und Far Cry 5 hat wirklich sehr gute Nebenquests. Selten habe ich mich beim Abarbeiten der optionalen Aufgaben so unterhalten gefühlt. Die Quest-Reihe rund um das Testicle Festival würde ich sogar als eine der lustigsten Sidequests bezeichnen, die ich bisher gespielt habe. Im fünften Ableger der Far Cry-Reihe erfüllen die Nebenquests außerdem nicht nur eine Platzhalterfunktion, die die Spielzeit in die Länge zieht, sondern gehen Hand in Hand mit dem Fortschritt der Hauptgeschichte. Für jede beendete Quest, jedes befreite Rebellenlager, ja sogar jede gerettete Geisel erhaltet ihr Widerstandspunkte in einem der drei Gebiete. Habt ihr genug davon gesammelt schreitet ihr in der Story voran, bis ihr einem der drei Geschwister - Jacob, Faith und John - in einem finalen Showdown gegenüber steht. Jeder der drei hat dabei komplett eigene Fähigkeiten, die sich auch auf das jeweilige Gebiet niederschlagen. Faith zB. lässt euch durch ihre weißen Blumen halluzinieren, die ihr in ihrem Areal überall findet und auch vernichten solltet.

 

Grafisch gibt es bei Far Cry 5 absolut nichts zu meckern. Die Wälder, die Gebirgsregionen, die Gewässer - jede Ecke des Spiels sieht verdammt schön aus. Auch die Tag- und Nachtwechsel, die Belichtung und die Schatten müssen sich absolut nicht verstecken und spielen oben mit. Besonders schön ist der Effekt, wenn ihr aus einem dunklen Raum in die Helligkeit tretet. Lediglich ein paar Pop-Ups haben sich gezeigt, wenn ich im Flugzeug unterwegs war, ansonsten gibt es optisch keinerlei Kritik von meiner Seite. Auch die Mimik der Charaktere wurde sehr schön umgesetzt und ein besonderes Schmankerl sind das realistische Verhalten von Feuer und die optische Umsetzung dessen. Die größten Vorteile genießt man natürlich auf Xbox One X und Playstation 4 Pro, aber auch auf den Standard-Konsolen muss das Spiel nicht allzu viele Abstriche einstecken. Gespielt wird, wie man es von Ubisoft mittlerweile kennt, mit gelockten 30 Frames pro Sekunde, die dafür aber komplett flüssig und ohne Einbrüche laufen.

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Boomer, aka der beste Videospiel-Kompagnon der Welt.

Euren Charakter könnt ihr durch im Laufe des Spiels individuell aufleveln. Das geht von weiteren Inventarplätzen, über größere Munitionstaschen oder schnellerem Nachladen, bis hin zu stärkeren Nahkampfattacken oder Fähigkeiten wie Autos zu reparieren. Aufgeteilt wird das ganze in mehrere Kategorien, die es euch leichter machen den Überblick zu behalten. Aber nicht nur ihr selbst könnt euch verbessern: habt ihr genug Geld gesammelt könnt ihr euch im Waffenladen eures Vertrauens neue Waffen kaufen und diese sogar mit neuen Zielfernrohren, erweiterten Magazinen und weiteren Verbesserungen auf eure Bedürfnisse abstimmen. Das Glanzstück sind aber die 9 Kameraden, die ihr im Laufe des Spiels kennenlernt und zu Hilfe rufen könnt. Neben einer Scharfschützin, einem Kampfpiloten und diversen anderen menschlichen Charakteren zählen dazu sogar ein Hund, ein Bär und ein Jaguar. Und diese drei waren mit dem Piloten Nick Rye definitiv meine Lieblingsbegleiter. Vor allem der Hund Boomer hat mir treue Dienste geleistet, indem er aus der Entfernung Gegner für mich markiert hat, ihnen Waffen gestohlen hat und einige von ihnen sogar selbst ausgeschalten hat. Außerdem kann man die Tiere streicheln. Beste Begleiter ever.

 

Sollte euch das alles nicht genug sein, könnt ihr euch nach der Story und den unglaublich vielen Nebenquests der Arcade-Sektion widmen. Dort könnt ihr genauso wie alle anderen Spieler selbstgebastelte Levels und Aufgaben online stellen und eben auch spielen. Die Qualität in diesem Modus hängt natürlich von den Machern der Levels ab und kann stark variieren. Vor allem wenn findige Spieler das Tool in Zukunft ausreizen, bin ich aber sehr guter Hoffnung, dass uns da noch einiges an Spaß erwartet. Die Verbesserungen, die ihr in der Hauptstory sammelt, sind übrigens auch im Arcade-Modus wirksam und helfen euch dort ebenfalls weiter. Außerdem erwarten uns in der Zukunft noch spannend klingende DLCs mit Zombies und Weltraum. Und wir alle wissen, dass Far Cry immer besonders stark wird, wenn es seine absurde Seite rauslassen kann. Ich freu mich jedenfalls drauf. Im Sommer 2018 wird außerdem Far Cry 3 - auch als Teil des Season Passes - noch einmal für die neuen Konsolen erscheinen.

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Und wem der Kampf gegen Kultisten zu anstrengend ist, der kann auch einfach mal jagen oder fischen gehen.

Schon vor der Gamescom 2017, auf der ich selbst einen ersten Blick auf Far Cry 5 werfen durfte, hatte ich sehr große Erwartungen an das Spiel. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich nicht auf einen heißen Anwärter auf das Spiel des Jahres gehofft hatte. Als ich dann die ersten Stunden in Hope County verbracht hatte, war mir relativ schnell klar, dass das Spiel für mich den Erwartungen gerecht wird. Die Welt wirkt lebendig, ihr findet immer wieder neue Siedlungen der Rebellen, mit teils mehr, teils weniger interessanten Menschen. Die Bösewichte sind für sich selbst vielleicht nicht ganz so charismatisch wie Vaas oder Pagan Min, aber als Familie gesehen reicht ihre Geschichte definitiv an die bisherigen Antagonisten heran. Grafisch sieht das Spiel bombastisch aus und nicht selten habe ich mich dabei ertappt, wie ich einfach durch die Wälder und Gebirge gewandert bin. Ohne bestimmtes Ziel, einfach nur um die Spielwelt zu genießen.

 

Ubisoft hat es mit Far Cry 5 wieder geschafft eine mitreißende Geschichte zu erzählen, die am Ende sogar mit einem bombastischen Twist aufwarten kann, den ich nicht einmal annähernd erahnen konnte. Ich kann euch also mehr als empfehlen die Reise ins fiktive amerikanische Hinterland anzutreten. Ihr werdet euch in einer bedrohlichen Welt wiederfinden, die mit vielen unterhaltsamen Geschichten aufwartet, mit oft lustigen Situationen, die das Spiel zufällig generiert und vor allem mit unglaublich viel, das von euch entdeckt werden möchte. Das Setting wurde wieder einmal perfekt umgesetzt und nimmt teilweise sogar Bezug auf aktuelle politische Ereignisse. Ob Far Cry 5 am Ende des Jahres wirklich in meinen Top 3 landet, wird sich zeigen, ein starkes Mitspracherecht auf einen Podest-Platz hat es aktuell aber auf jeden Fall.

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5 von 5 Boomer.

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