Detroit: Become Human

   Von Miggi

Detroit: Become Human, Kara, Connor, Markus, Quantic Dream, David Cage, Androiden, Cyberlife, Heavy Rain, Beyond: Two Souls, Fahrenheit, Kamski, 2038, Hank, Sumo, Sony Interactive Entertainment, Playstation 4

Es gibt Spiele, von denen will ich bis zum Release kein Fünkchen im Vorhinein erfahren. Ich verschließe Augen und Ohren bei jedem Trailer, Messedemos werden nicht nur aufgrund des straffen Zeitplanes links liegen gelassen und jedes Info-Schnipselchen, das irgendwo im Netz rumgeistert, wird gekonnt ignoriert. Meistens sind das Spiele die ihre Story so sehr in den Vordergrund stellen, dass mir diese Dinge persönlich einen Teil des Spiel-Erlebnisses nehmen würde, wenn es dann letztendlich erscheint. Man will einfach kein bisschen zu viel wissen, bevor man nicht das Gesamtwerk genießen kann. Detroit: Become Human ist genau so ein Spiel. Dieses Phänomen kennt ihr eventuell von Filmen wie Star Wars oder erst vor kurzem Avengers: Infinity War.

Und der Vergleich mit der Filmwelt ist nicht so weit hergeholt. Spiel-Director David Cage könnte man hier vermutlich genauso gut als Regisseur aufführen. Nachdem er 1997 das Entwicklerstudio Quantic Dream gründete, leitete er auch jedes der Spiele, die alle eine absolut filmreife Inszenierung vorweisen können. Ich persönlich bin mit Fahrenheit, in Amerika bekannt als Indigo Prophecy, in das Werk des Studios eingestiegen. Und bereits auf der Playstation 2 bzw. Xbox hat man gemerkt, dass dieses Prinzip eines Spiels seinesgleichen sucht und es wie kaum ein anders Spiel, vor allem zur damaligen Zeit, schafft eine mitreißende Geschichte zu erzählen. Die Nachfolger Heavy Rain und Beyond: Two Souls führten das Erbe konsequent fort und haben nicht wenig dazu beigetragen, dass Detroit: Become Human eines der meisterwarteten Spiele der letzten Jahre war.

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Angefangen hat die Geschichte des Spiels schon 2013. Damals hat das Studio eine Tech Demo namens "KARA" für die Playstation 3 entwickelt, die zeigen sollte, wie weit die Motion Capturing-Technologie bereits fortgeschritten ist. Man stritt damals aber noch vehement ab, dass es sich dabei um ein Spiel oder auch ein Konzept dazu handeln sollte. Nachdem aber immer mehr Stimmen lauter wurden, die wissen wollte, wie es mit der Androidendame weitergeht, entschied Cage sich die Geschichte fortzuführen. Auf der E3 2015 wurde der erste Trailer zum Spiel gezeigt, dessen Skript nach mehreren Jahren Arbeit erst 2016 fertiggestellt wurde und mit allen Entscheidungsmöglichkeiten über 2000 Seiten fasste.

 

Die verschiedenen Figuren im Spiel, zumindest die wichtigen, werden wieder von erfahrenen Schauspielern verkörpert. Was schon in Beyond: Two Souls mit Ellen Page und Willem Dafoe unglaublich gut funktioniert hat, wurde in Detroit: Become Human nur noch schöner und realistischer umgesetzt. Die Figuren wurden unglaublich realitätsgetreu umgesetzt, sei es nun im Hinblick auf Gesichtsausdrücke, Bewegungen oder den Gesamtlook. Nicht nur einmal habe ich mich dabei ertappt wirklich angestrengt nach Makeln zu suchen, weil ich mir teilweise nicht mehr ganz sicher war, ob ich gerade wirklich noch ein Spiel spiele oder nicht doch schon einen Film ansehe. Spoiler: Wirkliche "Fehler" sind mir bis zum Ende keine untergekommen. Aber nicht nur die Figuren sind wie aus der echten Welt abgefilmt - auch die Umgebung und eigentlich alles im Spiel wirkt verdammt real. Natürlich nur so weit wie Androiden und weit fortgeschrittene Technik im Jahr 2038 real wirken können.

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Das ganze dient aber natürlich nicht (nur) als Show-Off der Engine oder der Power der Konsole. Eigentlich ist es nur ein kleines Puzzlestück, das den Spieler die Geschichte rund um die Androiden besser nachvollziehen und fühlen lässt. Denn so menschlich wie sie die Grafik aussehen lässt, werden sie auch in eurem Kopf vermenschlicht. Die drei Protagonisten Kara, Connor und Markus, allesamt Androiden, haben mit ihrem Dasein bzw. mit der Art, wie sie behandelt werden, unterschiedlich zu kämpfen. Kara wird von ihrem Besitzer aus der Reperatur geholt und recht schnell wird klar, dass in ihrem Zuhause einiges schief läuft. Der Vater lebt dort gemeinsam mit seiner Tochter, die kein Wort spricht, in Armut und gewinnt nicht unbedingt den Father of the Year-Award. Connor ist der Prototyp einer neuen Androiden-Serie, die Ermittlern der Polizei unter die Hände greifen soll. Ihn kennt ihr eventuell schon aus der Demo. Der Dritte im Bunde, Markus, lebt bei einem älteren Herrn, der ihn gut behandelt und sogar zu eigenem Denken ermutigt.

 

Da die Geschichte der wichtigste Punkt von Detroit: Become Human ist, will ich nicht mehr vorweg nehmen, als dieses Grundgerüst. Es ist natürlich klar, dass nicht alles rosig ablaufen wird und ihr im Laufe des Spiels - wie von David Cages Werken gewohnt - vor die ein oder andere schwere Entscheidung gestellt werdet. Erwähnenswert dabei ist auf jeden Fall noch der Entscheidungsbaum, der euch nach jedem abgeschlossenen Kapitel angezeigt wird. Dort seht ihr den Verlauf eurer Entscheidungen, Dinge die ihr eventuell verpasst habt oder ganze Äste, die ihr durch eure Spielweise nicht freigeschalten habt. Das geht so weit, dass ganze Teile der Geschichte von euch unentdeckt bleiben können. Eure Entscheidungen nehmen so massiven Einfluss auf den Ausgang und das Ende der tatsächlichen Geschichte. Freundet ihr euch z.B. an einem Punkt mit Charakter X nicht gut genug an, kann es sein, dass dieser euch viel später nicht zur Seite steht. Jede eurer Entscheidungen muss daher wohl überlegt sein, da sie, so klein sie zu dem Zeitpunkt erscheinen mag, harte Konsequenzen im späteren Spielverlauf haben kann.

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Detroit: Become Human führt konsequent fort, was Fahrenheit für mich bereits auf der Playstation 2 und Xbox begonnen hat. Natürlich ist das Gameplay nicht wahnsinnig tiefgreifend und wird entweder heruntergebrochen auf Quick-Time-Events, Dialoge mit Entscheidungsmöglichkeiten oder die Erkundung eines bestimmten Bereichs. Daran sollte man sich aber keinesfalls stören, denn durch die simple Mechanik wird lediglich die verdammt spannende Geschichte in den Fokus gerückt. In dieser wird außerdem viel Bezug auf aktuell brisante Themen wie Rassismus, Drogenkonsum oder auch Arbeitslosigkeit genommen, diese aber mit einem gewissen Twist sehr smart umgemünzt auf den im Spiel vorherrschenden Konflikt zwischen Menschen und Androiden. So stört es absolut nicht, dass ihr am Controller nicht so viel zu tun habt, wie bei anderen Spielen.

 

Mit all seinen Entscheidungsfreiheiten und verschiedenen Herangehensweisen bietet Detroit: Become Human nicht nur einmal den Anreiz die Geschichte durchzuspielen. Wenn man vor Augen geführt bekommt, was man alles verpasst hat bzw. welche Wege man anders hätte gehen können, ist die Motivation sofort größer den Playthrough mit anderen Entscheidungen zu wiederholen, als es noch bei Beyond: Two Souls oder den anderen Vorgänger-Titeln war. Detroit: Become Human nimmt euch mit auf eine höchstspannende Reise in die Motor City und lässt euch bis zum bitteren oder auch glücklichen Ende zittern, ob alles so ausgeht, wie ihr euch das vielleicht wünscht. So liefert das Spiel ein Erlebnis, das seinesgleichen sucht und vermutlich erst wieder findet, wenn David Cage und sein Team bei Quantic Dream mit der nächsten Geschichte um die Ecke kommen. Bis dahin müssen wir uns aber sicher noch gedulden und währenddessen auf herkömmliche Filme ausweichen.

Detroit: Become Human, Kara, Connor, Markus, Quantic Dream, David Cage, Androiden, Cyberlife, Heavy Rain, Beyond: Two Souls, Fahrenheit, Kamski, 2038, Hank, Sumo, Sony Interactive Entertainment, Playstation 4
5 von 5 Androiden-Ringen.

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