Atlas Fallen

   Von Miggi

Titelbild von Atlas Fallen von Deck13 und Focus Entertainment

Manchmal schließen sich Kreise besonders schön. So wie bei Atlas Fallen: das Spiel wurde im Zuge der gamescom Opening Night Live 2022 eigentlich für Mai diesen Jahres angekündigt, wurde dann aber in den August verschoben und ist jetzt eines der Spiele, die ich während der Vorbereitungen auf die kommende gamescom noch durchspielen konnte. Der neueste Titel von Deck13 schöpft aus den Erfahrungen, die das Deutsche Studio mit Titeln wie Lords of the Fallen und The Surge sammeln konnte und schlägt den Weg in eine neue Richtung ein - weg vom Soulslike, hin zum Action RPG. Und das sah man auch schon im Announcement Trailer, der am 23.08.2022 durch die Messehalle fegte und zeigte wie 2 Charaktere über den Sand surften und mit ihren Moves Monster verkloppten. Das ganze sah damals schon recht vielversprechend aus und ich hatte Bock mir das Spiel genauer anzusehen.

Atlas Fallen wirft euch in eine Welt voller übernatürlicher Kräfte, religiöser Extremist*innen und damit einhergehender Unterdrückung und vor allem einem ganz wichtigen Faktor - Sand. Ihr erschafft euren Charakter als Teil des unterdrückten Volkes der Welt und merkt erst mal, dass dort einiges falsch läuft. In einem Zeltlager mitten in der Einöde kommt ihr durch Zufall an ein Artefakt, das euch mächtige Kräfte verleiht. In dem Moment, als ihr allerdings zu eurem Lager zurückkehrt und den Wachen der Handschuh an eurer Hand auffällt, wird euch dieser direkt abgenommen und das wars erst mal mit den neu gewonnen Kräften. Wie es der Zufall - und natürlich die Prämisse des Spiels - so will, kommt ihr aber über Umwege wieder an euren Handschuh und müsst von da an gemeinsam mit dem Wesen Nyaal, das durch das Artefakt mit euch kommunizieren kann, gegen verschiedene Sandmonster und eine korrumpierte Gottheit kämpfen. Aber hey - immer noch besser, als Sklave für die Obrigkeit zu sein, oder?

Die Protagonistin surft über den Sand in Atlas Fallen von Deck13 und Focus Entertainment
Surfin' USAnd.

Das wichtigste Element in Atlas Fallen ist aber nicht der Sand selbst, sondern das Movement, das zum Teil aber natürlich auch damit zusammenhängt. Mit eurem Handschuh am Arm könnt ihr nämlich schnell und grazil über den Sand gleiten und damit ordentlich Geschwindigkeit aufbauen, während ihr über die Dünen flitzt. Gleichzeitig bekommt ihr einen Doppelsprung und einen Dash, der mit der Zeit ausgebaut werden kann, sodass ihr insgesamt drei Mal zusätzlich in der Luft nach vorne preschen könnt. Setzt ihr den Air-Dash übrigens im Kampf ein, kann er mit jedem Schlag, den ihr euren Gegner versetzt neu aufgeladen werden, wodurch ihr gefühlt fliegen könnt, wenn ihr es klug anstellt. Am Boden wird der Dash zur Ausweichrolle, die vor allem im Kampf nützlich ist. Aber bleiben wir noch kurz beim Movement - im Spielverlauf kommt ihr immer wieder zu Challenges oder Quests, die von euch verlangen möglichst schnell von A nach B zu kommen und ich glaube insgesamt war das sich schnell durch die Welt bewegen mein Lieblingsteil im Spiel. Was mich dann doch wieder zu den Kämpfen führt.

 

Also keine Sorge, die sind absolut nicht scheiße oder unspaßig. Ganz im Gegenteil: Vor allem mir persönlich haben die Kämpfe echt viel Spaß gemacht. Was aber auch daran liegen mag, dass ich einfach gern schwere Games spiele. Manchmal sind die Kämpfe aber wirklich so schwer, dass ich mir nicht sicher bin, ob da nicht noch ein bisschen Balancing fehlt und vor allem die Bosse nicht teilweise einfach zu schwer sind. Ihr kämpft nämlich in der Welt gegen die sogenannten Wraiths, die in allen möglichen Formen, Größen und Stärken auf euch warten. Das geht vom offensichtlichstem Pick, dem Sandwurm, bis hin zu fliegenden Tailwhippern, die ihr nur in der Luft bekämpfen könnt, Soarer, die erst verwundbar sind, sobald ihr das andere Kleingetier erlegt habt oder dem Scatterer, der nicht direkt verwundbar ist, sondern nur über seine Knospen verletzt werden kann. Die Gegner-Varianz ist jedenfalls sehr schön und hält einen gut bei Laune, dadurch, dass man so nicht immer gegen die paar gleichen Gegnertypen kämpfen muss.

Der Protagonist kämpft gegen einen Sandwurm in Atlas Fallen von Deck13 und Focus Entertainment
Ohne Sandwurm kein Sandplaneten-Setting. Das ist die Regel.

Um euren Gegnern richtig schön aufs Maul zu geben habt ihr in Atlas Fallen erst mal die Auswahl zwischen 3 verschiedenen Waffen, die alle ihre Vor- und Nachteile in Sachen Power, Reichweite und Geschwindigkeit haben. Ihr startet mit einem Sand-Hammer, bekommt relativ schnell eine Art Klingenpeitsche dazu und rundet euer Inventar ab mit zwei beschworenen Fäusten. Der Hammer ist dabei ein schöner Allrounder, während die Peitsche mehr für die Distanz gedacht ist und die Fäuste - ihr habt es euch vermutlich schon gedacht - vor allem im Nahkampf richtig Wumms haben. Damit ihr schnell durch eure Waffen wechseln könnt, habt ihr die Möglichkeit euch mehrere Builds zu basteln, die ihr dann ohne jedes Mal ins Menü gehen zu müssen per Tastendruck auswählen könnt. Gleichzeitig bekommt ihr verschiedene Rüstungen, die allesamt unterschiedliche Werte haben: die eine gibt euch mehr Angriffskraft und dafür weniger Verteidigung, während die andere eure Essenz-Regeneration erhöht und euch dafür nicht ganz so stark macht. Zu den Waffen und der Rüstung kommt außerdem noch ein wichtiger dritter Aspekt dazu, der euch und eurem Spielstil echt viel Möglichkeiten gibt: die sogenannten Essenzsteine, die ihr in der ganzen Welt verteilt finden könnt.


Von diesen könnt ihr mit laufender Spieldauer und damit einhergehend höheren Upgrades verschieden viele auf euer Setup legen und erhaltet dabei sowohl passive Buffs, als auch aktive Spezialattacken, die euer Charakter ausführen kann. Das System hat dabei echt Tiefe und ich glaube, dass ich selbst erst so ein bisschen an der Oberfläche gekratzt habe, mit meinen Builds. Im Kampf ist es nämlich so, dass ihr eine Essenzleiste habt, die sich füllt, je öfter und mehr ihr eure Gegner angreift. Die ausgerüsteten Steine werden dabei immer erst aktiv, sobald ihr eine bestimmte Grenze darauf erreicht habt und auch die Spezialattacken können dadurch erst benutzt werden, wenn ihr in Dreier-Schritten an einem bestimmten Level angekommen seid. Jeder der 3 Teile eurer Essenzleiste hat gleichzeitig aber auch noch einen zweiten Effekt - ihr schlagt einerseits härter zu, bekommt andererseits aber auch mehr Schaden durch eure Gegner. Ich glaube je mehr Zeit nach dem Release verstreicht, desto wildere Kombinationen werden wir hier noch sehen.

Eine Krabbe aus Sand greift den Protagonisten an in Atlas Fallen von Deck13 und Focus Entertainment
Ich glaub die Krabbe ist sauer.

Die große letzte Frage ist natürlich, ob das Spiel denn auch flüssig läuft, oder ob alle Gameplay-Ideen und -Möglichkeiten durch die miese Technik wie Sand vom Wind verweht werden. Und sagen wir mal so, Atlas Fallen ist nicht das meist-gepolishte Spiel, das ich dieses Jahr gespielt habe und wirkt teilweise einfach noch ein bisschen rough around the Edges. Das mag vielleicht auch dem Fakt geschuldet sein, dass das Spiel komplett für den Zweier-Coop ausgelegt ist, aber ab und zu gibt es leider noch Ruckler, langsam nachladende Texturen, Gegner, die einfach ohne Grund despawnen und andere technische Fehler, die auffallen. Außerdem macht die Kamera teilweise nicht jede Bewegung so schnell mit, wie man sie selbst ausführt und ab und zu wusste ich vor allem in Kämpfen gegen große Gegner nicht mehr so genau, wo ich jetzt genau bin und welcher Gegner mich gerade von wo aus attackiert. Diese Mankos beeinflussen das Spielerlebnis  aber nicht in einem Ausmaß, das mich gravierend gestört hätte, man sollte sie aber auch nicht unerwähnt lassen. Grafisch macht Atlas Fallen durch die Sand- und Energie-Effekte jedenfalls einiges her und vor allem im Performance-Modus hat man auf Series X und PlayStation 5 fast durchgängig ein flüssiges und schönes Spielerlebnis. Außerdem könnt ihr euren Charakter mit kosmetischen Items (Strohkopf ftw!) ausstatten und personalisieren und egal welche Rüstung ihr aktiv tragt, könnt ihr zumindest optisch eine andere ausrüsten, falls euch das Design nicht gefällt.

"Atlas Fallen hat mich durch die Bewegungsfreiheit und die fordernden Kämpfe sehr gut unterhalten und, dass man das komplette Spiel zu zweit durchspielen kann, ist die Kirsche auf dem Sandkuchen."

Ich sag es wie es ist - Sand bzw. ein Planet voller Sand ist ein Motiv, das eigentlich viel zu selten in der Film- und Videospielwelt Verwendung findet. Ja gut, es gibt Dune und Tattooine, aber das war es dann recht schnell auch schon. Vor allem aber die Idee den Sand durch Zauberkräfte einfach zu Surf-Oberfläche, Waffen und Monster zu machen, ist etwas, was Atlas Fallen richtig smart macht. Das Spiel wirft euch in eine spannende und vor allem interessante Welt, deren Lore man gern ergründet und in der es durch das fließend-rasante Movement einfach wahnsinnig viel Spaß macht, sich fortzubewegen. Ich habe auch einfach ewig lang nicht gesehen, dass es eine Schnellreise-Funktion gibt - einfach, weil ich nicht danach gesucht habe. Atlas Fallen hat mich durch die Bewegungsfreiheit und die fordernden Kämpfe sehr gut unterhalten und, dass man das komplette Spiel zu zweit durchspielen kann, ist die Kirsche auf dem Sandkuchen. Die kleinen technischen Mankos haben das Spielerlebnis nicht so sehr gestört und der für mich spaßige Schwierigkeitsgrad könnte eventuell für andere zum Problem werden, aber man kann das Spiel natürlich auch auf easy umstellen. Wer mal wieder Bock auf ein spaßiges und kurzweiliges Action-RPG in einem frischen Setting hat und sich gerne zu zweit oder natürlich auch alleine durch Sandmonster-Herden kloppt, sollte auf jeden Fall mal einen Blick riskieren.

Wertung zu Atlas Fallen von Deck13 und Focus Entertainment
4 von 5 Coop-Duos.