A Way Out

   Von Bea

EA, Electronic Arts, EA Originals, Vincent, Leo, Gefängnis, Coop, A Way Out, Brothers, A Tale of Two Sons, Josef Fares, Folsom Prison Blues, Rätsel, Flucht

Verdammt. Wir hatten ein wildes Leben. So viele digitale Verbrechen. So viele Tutorial-Auftragsmorde, so viele tote Goombas – und erst die ganzen geschrotteten Autos. Wir wussten: es war nur eine Frage der Zeit. (An dieser Stelle zieht jemand ganz langsam an einer Zigarette.) Live fast, die young, or go to jail, wenn man so will. Und hier sind wir nun. Abschaum der Menschheit. Knastbrüder. „Im Hefn“ würde man auf österreichisch sagen.

 

 

So oder so ähnlich haben wir uns auf den Release von A Way Out eingestimmt. Ende März hatte das Warten ein Ende und das zweite große Spiel von Josef Fares, dem Mann hinter Brothers: A Tale of Two Sons wurde veröffentlicht – diesmal von Electronic Arts im Rahmen von EA Originals. Seit der Ankündigung auf der E3 in 2017 waren sehr viele Menschen sehr gespannt auf das (so der Wortlaut) innovative Coop-Game, das ausschließlich im Multiplayer mit einer weiteren Person gespielt werden kann – sowohl via Couch- als auch im Online Multiplayer.

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Leo oder Vincent? Backenbart oder Goatee?

Für Miggi und mich wurde es zwangsläufig – durch die verschwindend geringe Entfernung von ziemlich genau 8500 Kilometern zwischen uns – der online Multiplayer. Entfernungen sind natürlich kein Problem mehr in 2018, alles läuft flüssig und Miggi kann mir ins Ohr schreien als würde er neben mir sitzen. Wir haben die Wahl zwischen Leo und Vincent. Der grundsätzliche Unterschied zwischen den beiden kurz zusammengefasst: Leo ist der Muskel, Vincent das Hirn. Ergo bekommt Miggi natürlich Leo. Nicht, weil er doof ist, sondern weil es Sinn macht, dass Mister gefühlt-dreimal-gestorben-in-Dark-Souls-2-Miggi den vermutlich Kampf- und Schieß-intensiveren Charakter übernimmt. Ich bin natürlich K.L.U.K. (aka. zielt schlecht und hat manchmal Glück bei Rätseln) und übernehme Vincent.

 

 

So starten wir in unsere gemeinsame Mission: entkommen aus dem Gefängnis. Wenn ihr diesen Artikel lest, habt ihr sehr wahrscheinlich mindestens Gameplay- und/oder Trailer gesehen und wisst, wie das Spiel funktioniert. Kurz: Storybasiertes Split-Screen Coop-Gameplay. Die Anteile der Screens ändert sich je nach Situation – prügelt sich etwa Leo während Vincent entspannt herumspaziert, wird Leos Anteil größer und die Action dadurch besser sichtbar. Die Spieler sehen auch im online Multiplayer immer exakt dasselbe – inklusive Tastenbefehle. Nur die Lautstärke passt sich individuell an: praktisch, wenn beide Spieler gleichzeitig Gespräche mit NPCs führen.

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Viele viele Minigames. Habe erschreckend oft verloren.

Ehrlich, es fühlt sich ein wenig an, als würde ich um den rosa Elefanten im Raum herumreden, weil ich euch an dieser Stelle nicht mehr über die Story erzählen will. Denn – und es war nicht anders zu erwarten von Regisseur und Drehbuchautor Josef Fares – es ist nicht nur das Gameplay, das A Way Out so interessant macht, sondern auch die Geschichte, die damit erzählt wird. Dieser Artikel soll nicht der Ort sein, an dem ihr gespoilert werdet, also hör ich damit auch schon wieder auf.

 

A Way Out ist wesentlich mehr als ein Escape-Room in Spielform. Das 70er-Jahre-Crime-Setting erinnert an Spiele wie z.B. Heavy Rain (das nicht in den 1970ern spielt, sich aber klar am 70er neo-noir orientiert) und bedient sich großzügig an Filmklassikern wie Shawshank Redemption oder Scarface. Es geht nicht nur darum, zu zweit buttonbasierte Rätsel zu lösen, und ebenso wenig nur darum, möglichst viele Gegner auszuschalten während man dem jeweils anderen Rückendeckung gibt. A Way Out balanciert dynamisches Gameplay und Story auf eine Weise, die zumindest in meinen Augen ein spielerisch immersives und inhaltlich fesselndes Spielerlebnis ergibt. Die Liebe zum Detail und die Easter-Eggs hätte ich als gestresster Ex-Häftling auf der Flucht manchmal fast übersehen.

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„Revenge is good for your health, but pain will find you again.“ Oldboy, 2005

Ich sehe Reviews, in denen sich über mangelnde Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit beschwert wird – natürlich ist A Way Out kein Open World Spiel. Es ist auch kein Heavy Rain, was die Vielschichtigkeit an Entscheidungen angeht. Es ist, was es ist, und das ist sechs Stunden Unterhaltung in einer Art und Weise von Coop, von der ich gerne mehr sehen möchte.

 

Tl;dr: Hat ein Spiel eine Oldboy-Referenz, hat es mich gewonnen.

4,5 von 5 Johnny Cash Folsom Prison Blues Vinyls.
4,5 von 5 Johnny Cash Folsom Prison Blues Vinyls.

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