Streets of Rage 4

   Von Miggi

Streets of Rage 4, SEGA, Lizardcube, Dotemu, Guard Crush Games, Bare Knuckle, Axel, Blaze, Wonder Boy, Cherry, Hunter, Adam, Floyd Iraia, Estel Aguirre, Retro, 16 Bit, Skate, Zan, Shiva, Mr. Y, Ms. Y, Max Thunder, Beat'em'up, Beat em up, Mega Drive

Ich bin ein SEGA-Kind. Als solches bin ich mit dem Mega Drive aufgewachsen und kam in den Genuss einiger Exklusiv-Perlen der 16-Bit-Ära, die ich nicht missen möchte. Und Streets of Rage gehörte ... lange nicht dazu. Auch wenn ich wusste, dass die Serie existiert und ab und zu in Videospiel-Läden, die damals noch existiert haben - ja, so alt bin ich - die Boxen im Regal gesehen habe, hat mich die Serie nie so gereizt, dass ich es unbedingt haben wollte. Lange wusste ich auch gar nicht, was mir entgeht, bis ich irgendwann aus Neugier doch reingespielt habe. Und oh Boy, was hab ich da verpasst. Streets of Rage, vor allem der zweite Teil, sind wohl die besten Beat'em'Ups die man spielen kann. Bis heute. Trotzdem hat es jetzt ganze 26 Jahre gedauert, bis wir mit Streets of Rage 4 nun einen direkten Nachfolger zum dritten Teil bekommen haben.

Teil vier spielt Story-technisch zehn Jahre nach dem dritten Teil, in dem Antagonist Mr. X das Zeitliche gesegnet hat. Aber der angenommene Frieden ist leider Pustekuchen, als seine Kinder die Y Zwillinge die Bühne betreten. Pun intended. Mr. und Ms. Y wollen Wood Oak City nämlich mit ihrer Musik hypnotisieren und unter ihre Kontrolle bringen. Als eine der bekannten Protagonistinnen, Blaze Field, davon Wind bekommt ruft sie ihre alten Kumpels an und die Prügelei geht los. Neben Blaze, Axel Stone und Adam Hunter, meinem Hauptcharakter, den ihr im Laufe der Story trefft, gehen außerdem noch Adams Tochter Cherry Hunter und der zweite Neuzugang Floyd Iraia auf die Straße. Cherry hat ihre Gitarre im Gepäck, während Floyd, ein Schüler von Dr. Zan, von diesem kynetisch verbesserte Arme hat, die ordentlich reinhauen.

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What did the 5 Fingers say to the Face?

Das Spielprinzip hat sich im Vergleich zu den drei Mega Drive-Spielen aus den 90ern nicht großartig verändert. Zumindest im Kern: ihr lauft Genre-typisch von links nach rechts, verprügelt Gegner*innen, die sich euch in den Weg stellen und versucht das ganze im besten Fall zu überleben. Zusätzlich zu euren Standard-, Wurf- und Sprung-Attacken könnt ihr auf Kosten eines Teils eurer Health-Leiste auch Spezial-Attacken ausführen. Neu und dabei ein sehr smartes Gameplay-Element ist aber, dass ihr diese verlorene Gesundheit nicht auf Dauer verloren habt, sondern regenerieren könnt. Lasst ihr euch nach der Spezial-Attacke nämlich nicht treffen, könnt ihr pro gelandetem Schlag eine kleine Menge der Energie wieder bekommen und euch so wieder komplett heilen. Das bringt mehr Taktik in die Kämpfe und macht sie gleichzeitig noch ein bisschen spannender. Durch Sterne, die ihr im Level aufsammeln könnt, habt ihr in brenzligen Situationen außerdem noch die Möglichkeit eine Star Attack zu aktivieren, wobei jeder Charakter eine einzigartige hat.

 

Um euch die Kämpfe einfacher zu machen, könnt ihr Nahrung finden, die euch heilt und Waffen aufheben, die ihr entweder nutzt, bis sie zerbrechen oder eurem Gegenüber in die Fresse werft. Lustiger Sidefact: die Nahrung könnt ihr in den Optionen vom Look her anpassen und sogar so einstellen, dass nur Vegetarisches auftaucht. Oder nur Pizza. Die eben erwähnten Waffen liegen meistens aber nicht einfach so auf dem Boden rum, sondern müssen erst mal euren Gegner*innen abgenommen werden. Von der Flasche, die relativ schnell zerbricht über ein Katana, Granaten oder gleich ein Motorrad ist da relativ viel dabei. So schafft ihr es euren Kombo-Zähler teilweise noch höher zu treiben und ihn auch oben zu halten. Kleiner Tipp: versucht mal mit einem Elektro-Schocker einen der rumstehenden Arcade-Automaten zu treffen.

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Elektroschocker direkt in dein Kafa.

Modi-technisch habt ihr in Streets of Rage 4 eine gute Auswahl. Kernstück ist erst mal der Story-Modus, in dem ihr euch 12 Stages prügelt und versucht den Y Zwillingen das Handwerk zu legen. Darin habt ihr eine bestimmte Anzahl an Leben zur Verfügung und müsst damit versuchen bis zum Level-Ende zu kommen und einen Bossfight zu überstehen. Schafft ihr das nicht und verliert all eure Leben startet ihr die Stage von vorne. Also git gud, denn vor allem alleine ist das Spiel teilweise ordentlich knackig und verzeiht Fehler teilweise gar nicht. Extra-Leben könnt ihr nur erhalten, wenn ihr eine bestimmte Anzahl an Punkten sammelt. Lokal könnt ihr diese Aufgabe mit bis zu drei Personen zusätzlich angehen, während ihr online zu zweit losprügeln könnt. Die Story beschäftigt euch, je nach Können, etwa zwei bis drei Stunden.

 

Nach jedem Level wird eure Performance bewertet und je nach Leistung mit einem Rang bewertet. Gleichzeitig füllt ihr über das ganze Spiel global ein Punktekonto auf, in dem an bestimmten Punkten neue Dinge freigeschaltet werden, wie etwa Retro-Charaktere. Wer also Bock hat mit Blaze oder Axel aus dem ersten Streets of Rage loszuziehen - natürlich im 16 Bit-Look - kann das auch tun. Neben der Story könnt ihr euch auch in den Arcade Mode stürzen, in dem ihr das komplette Spiel mit einer limitierten Anzahl an Leben schaffen müsst, ohne Rücksetzpunkte pro Stage. Wenn ihr das geschafft habt, was schwer genug ist, bleibt euch noch ein Boss Rush- und ein Battle Modus, in dem zwei Spieler*innen gegeneinander antreten können.

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Defund the Police!

Anders als in den drei bisherigen Spielen präsentiert sich Streets of Rage 4 nicht wie gewohnt im Pixellook. Für den vierten Teil hat das Entwickler-Studio Lizardcube, diesmal zusätzlich noch unterstützt von Guard Crush Games, wie schon in Wonder Boy: The Dragon's Trap einen handgezeichneten Comic-Look geschaffen, der die Serie perfekt ins Jahr 2020 transportiert. Jede spielbare Figur hat dafür durschnittlich ganze 1.000 Animationsframes spendiert bekommen, während alle Gegner*innen immer noch erstaunliche 300 - 400 haben. Und auch musikalisch klingt es so, als hätte der Soundtrack der vorangegangenen Teile eine Zeitreise ins Heute gemacht: modern produziert und trotzdem irgendwie retro. Nachdem Yuzo Koshiro, der schon beim Soundtrack von Teil 1 seine Finger im Spiel hatte, 2019 eine Demo des Spiels gespielt hatte, konnte man sogar ihn noch mit ins Boot holen.

"Streets of Rage 4 ist nicht nur ein würdiger Nachfolger, sondern hebt die Serie noch einmal in neue Höhen."

Nach 26 Jahren eine totgeglaubte Serie wiederzubeleben ist nicht unbedingt leicht, vor allem nicht, wenn diese von Fans weltweit in ihrem Genre bis heute als das Beste, was man dort spielen kann, gilt. Wenn jemand aber dieser Aufgabe gewachsen sein konnte, dann war es die Kombination aus dem französischen Publisher Dotemu und dem Studio Lizardcube. Nachdem man 2018 auch SEGA von der Idee überzeugen konnte, stand dem Spiel nichts mehr im Weg. Und was soll ich sagen: Streets of Rage 4 ist nicht nur ein würdiger Nachfolger, sondern hebt die Serie noch einmal in neue Höhen. Das Gameplay ist hart aber dabei immer fair, der Comic-Look steht dem Spiel perfekt und der Soundtrack rundet das ganze perfekt ab. Der Couch-Coop-Modus mit bis zu 3 Freund*innen liefert perfekte Throwback-Vibes und für Hardcore-Fans bieten die freischaltbaren Charaktere, die vielen Easter Eggs und die Gallerie unglaublich viel Möglichkeiten sich auch nach der Story noch bei Laune zu halten. Alles richtig gemacht.

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5 von 5 Adams.

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