Mass Effect Legendary Edition

   Von Miggi

Artwork der Mass Effect Legendary Edition von Bioware

Damals, als ich meine Xbox 360 bekommen hatte, war ich noch in der Schule und musste Videospiele sehr selektiert kaufen. Gespartes Taschengeld floss entweder in die Titel, die ich unbedingt haben wollte, oder ich habe bei Sonderangeboten zugeschlagen. Immer wieder bin ich zu verschiedenen Läden gelaufen, um zu sehen, was gerade besonders günstig war. Dabei habe ich oft ins Klo gegriffen, aber manchmal hatte ich auch echt Glück. Und einer dieser Fälle war Mass Effect. Sogar in der dicken Collector's Edition im Steelbook. Das Spiel hatte mich von der ersten Sekunde an in seinen Bann gezogen und weil ich sonst nicht unbedingt viel andere Spiele hatte, hab ich es direkt drei Mal hintereinander durchgespielt. Als ein paar Jahre später Mass Effect 2 erschien hatte ich meinen Schulabschluss in der Tasche, war gerade im Zivildienst und habe das Spiel direkt zu Release gekauft. Den dritten Teil habe ich zwar dann auch noch gespielt, aber die Begeisterung war irgendwie nicht mehr ganz so sehr da. Umso mehr habe ich mich nun aber gefreut, dass ich mit der Mass Effect Legendary Edition alle drei Teile am Stück in aufgepeppter Optik noch mal spielen kann.

Bis das Spiel jetzt releast wurde, war es aber ein längeres Hin und Her. Monatelang kursierten schon die Gerüchte, dass Bioware an einer Remastered-Collection der ersten drei Teile der Serie arbeitete und immer wieder gab es Leaks von angeblichen Release-Daten. Am 07. November 2020, dem sogenannten "N7 Day" - ein jährlicher Feiertag für Mass Effect-Fans weltweit, wurde die Legendary Edition dann schlussendlich offiziell angekündigt. Und ich war sehr glücklich. Nachdem mich Mass Effect: Andromeda eher enttäuscht hatte, war ich direkt wieder voller Vorfreude die drei Spiele nochmal am Stück zu erleben. Noch viel mehr Spaß hatte ich dann daran, zu sehen, wie viele Freund*innen in meinem Umkreis die Spiele zum ersten Mal erleben können. Alleine dadurch hat die Collection schon komplett ihren Zweck erfüllt.

Screenshot aus dem ersten Teil der Mass Effect-Reihe im Zuge der Mass Effect Legendary Edition von Bioware
Mass Effect 1 hat von allen drei Teilen den größten Sprung in der Legendary Edition gemacht.

Wie auch schon vor fast 15 Jahren startet eure Reise in Mass Effect als Commander Shepard. Wahlweise könnt ihr eure Figur als männlich oder weiblich gelesenen Shepard erstellen und deren Aussehen auch bearbeiten, wenn ihr möchtet. Die Handlung startet im ersten Teil, als ihr im Zuge einer Mission ein Artefakt aus der menschlichen Kolonie Eden Prime bergen sollt. Dort angekommen stellt sich aber schnell heraus, dass das keine einfache Bergungsmission sein wird, da die Kolonie von unbekannten Wesen angegriffen wurde. Außerdem trefft ihr dort auch auf den Spectre Saren, der eigentlich auf eurer Seite stehen sollte, sich aber mutmaßlich als Verräter herausstellt, der für die Reaper arbeitet. Diese sind die Trilogie über von da an eure Antagonisten, deren Pläne ihr vereiteln wollt. Dazwischen stehen nur unzählige Spielstunden, Freundschaften, die ihr schließt und Planeten, die ihr erkundet.

 

Auch heute ist die Story noch ganz klar das Kernstück der drei Spiele. In kaum einem anderen Spiel, macht es mir so viel Spaß jede einzelne kleine Nebenstory zu spielen, mit allen Charakteren zu reden und so gut es geht jede Ecke des Spiels zu durchsuchen. Und wenn wir schon beim Stichwort Charaktere sind - die Crew, die euch teilweise durch die ganze Trilogie begleitet, ist mir damals schon ans Herz gewachsen und auch jetzt wieder habe ich mich gefühlt, als wäre ich selbst Commander Shepard und würde eine tiefe Verbindung zu den verschiedenen Figuren wie Wrex, Liara oder Garrus herstellen. Die Companions in Mass Effect sind nicht nur random NPCs, die euch zur Seite gestellt werden, es sind eure Freund*innen. Und das hat glaube ich kein anderes Spiel bis heute so intensiv geschafft wie Mass Effect.

Ein Reaper greift die Citadel an in Mass Effect von Bioware
Eine der epischen Szenen, die ihr in Mass Effect gefühlt fast an jeder Ecke finden werdet.

Das Gameplay und vor allem das UI hat sich schon damals über die Jahre verändert und vor allem der Sprung vom ersten Teil auf den dritten war damals nicht nur gut gemacht, sondern auch bitter nötig. Es war schwer 2012, als der dritte Teil erschien, nochmal zurück zu gehen zum Original Mass Effect aus 2007. Nicht unmöglich, aber der Unterschied war auf jeden Fall deutlich spürbar. Daran kann natürlich auch das Remake nicht alles ändern. Mass Effect 1 ist immer noch Mass Effect 1 und spielt sich spürbar anders als der dritte Teil. Trotzdem hat es Bioware geschafft vor allem dem ersten Teil sinnvoll zu erweitern, optisch aufzuwerten und das Gameplay zu verbessern. Gleichzeitig sind in der Legendary Edition alle DLCs enthalten, die für die Trilogie über die Jahre erschienen sind und man kriegt so direkt das volle Paket. Im Kern verbirgt sich aber trotz diverser Unterschiede ein Gameplay, das sich im Grunde auf drei Aspekte herunterbrechen lässt.

 

Ein großer Teil sind die Missionen, die ihr zu Fuß erledigt. Dort lauft ihr mit zwei Kamerad*innen, die ihr vor jeder Mission selbst wählen dürft, durch die verschiedenen Gebiete und schießt mit einem konfigurierbaren Waffen-Arsenal auf eure Gegner*innen. In einer 3rd Person-Perspektive könnt ihr in Deckung gehen, verschiedene Fähigkeiten im Kampf einsetzen und euren Companions Befehle im Kampf geben. Seid ihr gerade nicht im Kampf ist der zweite große Fokus ganz Rollenspiel-typisch das Führen von Gesprächen. In einem Dialogsystem wählt ihr eure Antworten selbst aus und je nachdem wie ihr antwortet erhaltet ihr Karma-Punkte, durch die ihr später besondere Optionen freischaltet. Die dritte große Säule in Mass Effect ist euer Schiff die Normandy. Mal mehr, mal weniger frei, bewegt ihr euch durch die verschiedenen Sonnensysteme der Galaxie und erforscht diverse Planeten. Heute wie damals ist es für mich die Kombination aus diesen Dingen, die den Reiz von Mass Effect ausmacht. Es versteift sich nicht nur auf den Aspekt des Deckungsshooters und sollte euch das mal zu viel werden, könnt ihr einfach was anderes machen.

Thane, einer der Companions aus Mass Effect 2 von Bioware
Ihr könnt es zugeben oder nicht - man hat einfach Lieblinge bei den Companions und welche, die man nicht so gerne mag.

Besonders spürbar sind die Verbesserungen der Mass Effect Legendary Edition aber nicht im Gameplay - bis auf die berüchtigen Passagen mit dem Mako im ersten Teil, die zum Glück noch verbessert wurden - sondern in der Optik. Die Texturen wurden allesamt auf den neuesten Stand gebracht, die Lichteffekte massiv aufgehübscht und auch auf den Last Gen-Konsolen Xbox One X und Playstation 4 Pro dürft ihr das ganze in bis zu 4K erleben. Besonders punkten kann die Trilogie aber auf der Xbox Series X und der Playstation 5 - hier läuft sogar der in den Optionen wählbare Quality-Modus, der auf den älteren Konsolen mit 30 Frames per Second auskommen muss, mit flüssigen 60 FPS. Auf der Series X habt ihr sogar die Möglichkeit mit dem Performance-Modus auf bis zu 120 FPS zu spielen. Vorausgesetzt natürlich euer TV-Gerät unterstützt das. So oder so sieht die Legendary Edition jedenfalls fantastisch aus.

"Die Legendary Edition bringt die Trilogie rund um Commander Shepard perfekt ins Jahr 2021 und hat mich direkt von der ersten Sekunde an wieder in ihren Bann gezogen."

Auch nach fast 15 Jahren ist es immer noch ein ganz besonderes Gefühl, die ersten virtuellen Schritte ins Mass Effect-Universum zu machen. Die Legendary Edition bringt die Trilogie rund um Commander Shepard perfekt ins Jahr 2021 und hat mich direkt von der ersten Sekunde an wieder in ihren Bann gezogen. Die Charaktere sind auch heute noch genau so zum verlieben wie früher, die Story ist packend wie eh und je und es macht einfach wahnsinnig viel Spaß das gesamte Universum zu erkunden, während man eigentlich gegen die Reaper kämpfen sollte. Und es ist umso schöner, dass  jetzt viele Leute die Story in dieser aufgehübschten Form zum ersten Mal erleben können. Mass Effect hat bis heute nichts an Charme verloren und wenn ich mehr Zeit hätte würde ich nach meinem Playthrough der drei Spiele direkt einen weiteren dran hängen, um dort andere Entscheidungen zu treffen. Und jetzt heißt es auf Mass Effect 4 warten und hoffen, dass man evtl. seinen Spielstand der Legendary Edition importieren kann.

Wertung zur Mass Effect Legendary Edition von Bioware
5 von 5 Normandys.

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