Life is Strange

Von Bea

 

Zum Release der Limited Edition von Life Is Strange gibt’s hier nun endlich ein spoilerfreies Review zu einem meiner (omg Spoiler!?) Lieblingsspiele aus 2015. Das ganze gibt’s nun auch mit deutschen Untertiteln, damit auch die nicht der englischen Sprache mächtigen in den Genuss des Spiels von Dontnod Entertainment kommen können. Freuet euch!

 

Life is Strange, Limited Edition, Dontnod, Square Enix
Die Limited Edition: leider schon ausverkauft.

Life Is Strange erschien im Jänner 2015 zuerst mit Episode 1, die fünfte und letzte Episode wurde im Oktober veröffentlicht und schließt die Handlung des Spiels ab. Natürlich endet jede Folge mit dem ein oder anderen Cliffhanger – das Storytelling in Life Is Strange ist durchaus auf einem Level mit sämtlichen Telltale Games.

 

Mit Telltale Games’ Werken lässt sich die Handhabung des Spiels am ehesten Vergleichen, auch wenn dem Spieler wesentlich weniger Charaktere, jedoch mehr Freiheiten, mehr Details und höhere Grafikqualität geboten werden. Insgesamt scheint Life Is Strange sehr viel facettenreicher und lässt Telltale Spiele – so gut sie auch sind – irgendwie eindimensional erscheinen.

 

Was einige Leute vielleicht stört, ist das nicht zu leugnende Hipster-Element in Life Is Strange. Die Hauptfigur Max Caulfield besucht eine begehrte High School an der Küste von Oregon mit dem Ziel Fotografin zu werden. Nordwestküste im Oktober ist per se schon hipster. Fotografin werden? Total hipster. Elitärer Bullshit mit Polaroidkameras? Omg I can’t even. Aber abgesehen von dieser vielleicht sehr stereotypen Ausgangslage eröffnet die Handlung und die Charaktergestaltung von Life is Strange eine Tiefe, die so auf den ersten Blick vielleicht nicht vermutet wird.

Life is Strange, Max, Dontnod, Square Enix
Polaroid fetish is a thing.

Die Entwicklungen nehmen schon in Episode 1 eine interessante Wendung: Max kann die Zeit zurückdrehen – das zwar nur um ca. eine Minute, was jedoch ausreicht um ihrer besten Freundin das Leben zu retten. Dadurch löst Max jedoch unwissend einen Strudel an Ereignissen aus, der wiederum katastrophale Folgen hat. Auch hier (wie auch in Until Dawn und anderen aktuellen Games) wirkt der oft propagierte Butterfly-Effect, der spätestens seit dem gleichnamigen Film mit Ashton Kutcher (und der ganz besonders tollen Ashton-Kutcher-läuft-wie-ein-Verrückter-mit-wehendem-Arztkittel-Szene. Erinnert ein kleines bisschen an Doc Brown.) jedem ein Begriff sein sollte. Die Handlung ist tatsächlich eine der griffigsten, interessantesten und schlichtweg besten, die ich je in einem Computerspiel erlebt habe. Dass man als Spieler dann tatsächlich einigen Einfluss auf die Geschehnisse hat, verleiht dem Spielerlebnis noch mehr Spannung.

 

Was man bei Life is Strange ganz sicher nicht außer Acht lassen darf – und Schande über mich, dass ich es erst am Schluss erwähne: der Soundtrack. Der Soundtrack von Life Is Strange ist eine Mischung aus exklusiven Kompositionen und bereits bestehenden Songs von mehr oder weniger bekannten Künstlern. Hier finden sich Lieder von Breton, alt-J, José Gonzáles, Angus & Julia Stone oder Local Natives. Auch die instrumentalen Eigenkompositionen treffen das Gefühl des Spiels, das sich stellenweise in ein sehr trauriges oder hilfloses wandelt, wie den Nagel auf den Kopf. Bei uns würde man sagen wie die Faust aufs Auge.

Life is Strange, Max, Dontnod, Square Enix
Den Soundtrack am besten in genau solchen Situationen hören.

Ihr merkt vielleicht: wer lieber metzelt und bei allen Spielen am liebsten den Storymode skippen würde, wird mit Life Is Strange entweder eine Bekehrung erfahren, oder aber ganz und gar nicht glücklich. Wer sich auf das Anfangs stark nach Hipstergetue ausschauende Spiel einlässt – und das sowohl spielerisch als auch emotional (huiuiui jetzt wird’s deep) – wird in Life Is Strange hoffentlich das erkennen, was es ohne Zweifel ist: Ein Spiel, das seinesgleichen noch lange suchen wird.

 

Man merkt auf welcher Seite ich stehe – im Hintergrund läuft schon wieder der Soundtrack. Jetzt bin ich an der Stelle, an der ich eigentlich Tenouttaten schreiben wollte, aber leider muss ich irgendwo anmerken, dass es auch ohne dieses omnipräsente Hipstergetue ein mindestens genau so tolles Spiel geworden wäre – wenn nicht sogar besser. Selbst, wenn man über die Klischeehipster-Hirsche mit Brille im Menü und Polaroidkameras und -bilder all over the place hinwegsieht, sind es ab und zu leider auch noch Max’ Kommentare während man z.B. Gegenstände sucht, die regelmäßig wie die von uns allen heiß geliebten Wandtattoos klingen.


Wertung:

4,5 von 5 Polaroids
4,5 von 5 Polaroids

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