Rise of the Tomb Raider

Von Janine

Lara Croft ist zurück! Wer bei diesem Namen immer noch an eckige Brüste und Angelina Jolie denkt, hat in den vergangenen Jahren einiges verpasst in der wunderbaren Welt des Gamings oder sollte sich weniger auf dubiosen Internet-Seiten aufhalten. Lara Croft ist spätestens seit dem letzten Spiel auch in grafischer Hinsicht erwachsen geworden und wurde vom Entwicklerstudio Crystal Dynamics mächtig für uns herausgeputzt.

 

Umso größer war meine Freude als ich den vorerst Xbox One-exklusiven Titel Zuhause auf meinem Sofa spielen konnte und nicht wieder enttäuscht wurde. „Wieder“, da ich bereits auf der Gamecity in Wien am 2. Oktober das damals entbehrliche Vergnügen hatte, die erste Sequenz von „Rise of the Tomb Raider“ anzuspielen. Die meiste Zeit dieser Sequenz war Miss Croft nämlich damit beschäftigt, sich ihre auch aus grafischer Hinsicht eher schwache Frisur zu richten, wann immer sie die Gelegenheit dazu hatte. Da ich weniger ein Exemplar von „Frisuren gestalten mit Lara Croft“ als mehr ein „Ärsche kicken und Rätsel lösen mit Lara Croft“ erwartet hatte, wurden meine hohen Erwartungen dementsprechend zerstört. Ende Oktober gab es dann nochmals die Gelegenheit, das Spiel vor Release bei der Xbox-Celebration in München zu begutachten, wobei klar wurde, dass sich das Entwickler-Studio wieder auf das eigentliche Action-Adventure-Genre rückbesinnt hat. Daher war ich beim Kauf des Spiels weniger zögerlich, obwohl der Herbst ja prinzipiell sehr spiele-reich und somit mein Konto eher arm war.

Ähnlich verzweifelt war mein Gesichtsausdruck beim Anblick des anfänglichen Haar-Debakels.
Ähnlich verzweifelt war mein Gesichtsausdruck beim Anblick des anfänglichen Haar-Debakels.

Wie bereits im ersten Teil des Reboots kann man sich mit einer der berühmtesten Videospiel-Heldinnen durch die komplett frei begehbare Welt ballern, klettern und kriechen. Diese Open World bietet atemberaubende Kulissen und ist wie der Vorgänger gewohnt abwechslungsreich, wenn auch noch einige Stücke detailverliebter. So gibt es für jede Fauna-Vorliebe mindestens einen erkundbaren Schauplatz, bei dem es Artefakte, Audio-Logs oder andere Gegenstände zu finden gibt. Ebenso befinden sich an den verschiedenen Schauplätzen entsprechende Tiere, sammelbare Pflanzen und Gegenstände.

 

Nicht nur in der Gestaltung der Welt, sondern auch bei der Spezialisierung von Lara sind kaum Grenzen gesetzt: Mithilfe von gesammelten Gegenständen wie Tierfellen, Blättern, Ästen oder ähnlichem können einzelne Ausrüstungsgegenstände aufgemotzt werden. Je nachdem, ob man es bevorzugt, ein feindliches Lager zu durchqueren wie ein Ninja oder wie ein bewaffneter Elefant im Porzellanladen. Das ist eine der größten Stärken gegenüber dem Vorgänger-Titel: Während „Tomb Raider“ nur so getan hat, als hätte man es mit einer frei begeh- und beballerbaren Welt zu tun, bietet „Rise of the Tomb Raider“ tatsächliche Wahlfreiheit bei der taktischen Vorgehensweise. Aufgerüstet werden die Waffen sowie die Ausrüstung dann in Basislagern, in denen Lara tiefsinnig vieles ganz doll bereut und sie ihren offensichtlichen Papa-Komplex etwas zu sehr demonstriert, aber gut, als Tochter eines weltbekannten Archäologen hat man es auch nicht leicht.

Auf lauschige Waldspaziergänge wartet man vergeblich.
Auf lauschige Waldspaziergänge wartet man vergeblich.

Die Story selbst ist abseits des genannten Komplexes nicht unspannend, aber alles in allem wenig überzeugend, manche Zusammenhänge wirken ein kleines bisschen erzwungen und damit an den Haaren herbeigezogen. Apropos Haare: Diese sind in der endgültigen Version des Spiels exakt so, wie man sie sich bei einer Lara Croft vorstellt: praktisch zusammengebunden und grafisch wirklich sensationell. Auch der Rest des Spiels ist grafisch einwandfrei. Da Lara nun nicht mehr damit beschäftigt ist, sich die Frisur zu richten hat unsere wunderbare Protagonistin wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge einer Schatzsucherin: Höhlen erkunden, Rätsel lösen, Gegner verprügeln.

All diese Dinge machen sehr sehr viel Spaß, die Rätsel haben genau den richtigen Schwierigkeitsgrad; jenen, bei dem ich meine im Herbst verrosteten Gamer-Gehirnzellen zwar anstrengen musste, der meine recht kurze Geduldsspanne jedoch nicht überstrapaziert. Lediglich die Gegner könnten manchmal etwas klüger als das Stück Holz sein, das man zur Herstellung eines tödlichen Pfeils verwendet hat. Die Ausrüstung selbst ist sehr abwechslungsreich, vielseitig einsetzbar und sehr gut handzuhaben.

Ausrüstung ist dann doch die halbe Miete.
Ausrüstung ist dann doch die halbe Miete.

Nach circa 50% Spielfortschritt und 20 Spielstunden – ja, ich bin eine langsame Spielerin und lebe meine Zwangsneurose, alles aufsammeln zu müssen und nichts zu übersehen sehr lebhaft aus – gibt es abgesehen von teilweise sehr dämlichen Gegnern und ein paar Story-Schwachstellen kaum etwas auszusetzen. Da es bei diesem Action-Adventure aber vor allem um praktische Ausrüstung, schöne Schauplätze und angenehmes Gameplay geht, sei die Story jedenfalls verziehen. Liebe geht letztendlich ja doch auch nur durch das Feeling und nicht durch die Story. Oder so.


Wertung:

4,5 von 5 Kletteräxten
4,5 von 5 Kletteräxten

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