Lego Dimensions

Von Janine

LEGO Dimensions oder: Wie ich im Fieberwahn arm wurde.


Gleich vorweg möchte ich kurz erwähnen, dass ich LEGO zwar liebe und auch einige der Spiele dazu besitze, sie mich jedoch bisher nie wirklich abgeholt haben, sondern mehr ein netter Lückenfüller zwischen anderen Blockbustern waren. Sie sind für mich immer wie die Art von Verwandten, die man eigentlich nicht so richtig kennt, aber eben hin und wieder mal auf Familienfeiern trifft. Ich mag die Spiele und habe prinzipiell nur wenig an ihnen auszusetzen, bin aber auch nicht traurig, wenn sie nicht da sind. Aber zurück zum Thema. LEGO Dimensions. Wer das Prinzip noch nicht kennt, dem sei es kurz erklärt: Ganz an den Konzepten von Skylanders und Disney Infinity angelehnt, spielt ihr mit im realen Leben käuflich erwerbbaren LEGO-Figuren, die dann anhand eines leuchtenden (!) Toy-Pads in das Spiel übernommen werden.

Das Starterpack beinhaltet eben jene Plattform mit einem Portal sowie die Figuren Gandalf, Batman, sein Batmobil und Wyldstyle aus dem LEGO Movie. Zusätzlich können einzelne Level -, Team - und Funpacks erworben werden, die Universen lassen jedes Nerd-Herz höher schlagen: Von DC Comics über Herr der Ringe bis hin zu Zurück in die Zukunft, Ghostbusters, Scooby-Doo, Jurassic World, die Simpsons und den etwas jüngeren Welten von Chima und Ninjago ist für alle etwas dabei. Sofern man es sich leisten kann, denn allein das Starterpack kostet saftige 100€, die Erweiterungen bewegen sich in einer Preisklasse zwischen 15 und 30€.
 

Da mein Sammelinstinkt doch recht ausgeprägt ist - hier sei nur kurz erwähnt, dass ich mich lange gegen die Amiibos gewehrt habe und sich innerhalb von drei Wochen plötzlich elf davon in meinem Wohnzimmer eingeschlichen haben - hatte ich eigentlich beschlossen, mir das Spiel nicht zu kaufen. Nicht zuletzt aus oben genannten Gründen, denn die LEGO-Spiele waren mir meist zu stressig und unübersichtlich. Jedoch kam dann jener Tag, an dem ich mich mit hohem Fieber ins nächste Einkaufszentrum bewegen musste um entspechende Medikamente zu kaufen. Während ich in der Apotheke so in der Warteschlange anstand, erwachte plötzlich eine immer lauter werdende Stimme in meinem Kopf, die flüsterte: "Wir sind genau ein Stockwerk über dir! Komm und hol uns!". 15 Minuten später fand ich mich im Besitz des Starterpacks sowie des Fun - Packs mit Wonder Woman wieder und konnte mich an kaum etwas erinnern.

"You're gonna need a bigger imagination" - Ja, und einen größeren Geldbeutel.
"You're gonna need a bigger imagination" - Ja, und einen größeren Geldbeutel.

Zuhause angekommen wurde ich sofort in meine Kindheit zurück versetzt als ich die Verpackung öffnete, sich der betörende Plastikgeruch von Legosteinchen seinen Weg durch mein verstopftes Riechorgan bahnte und sich das vertraute Rascheln einzelner Legosteinchen bemerkbar machte. Während der Installation wurde das in alter LEGO-Manier wunderschön detaillierte Portal zusammengebaut und alle Figuren eingehend untersucht. Ich war sofort hellauf begeistert. Allein die Anfangssequenz des Spiels ließ sofort jeden Zweifel in Rauch aufgehen. Denn wer glaubt, dass es absolut keinen Sinn ergibt wenn in einem Spiel ganze 14 Universen aufeinander prallen, wird bereits am Anfang eines besseren belehrt.

Der Schurke Lord Vortech hat sich zum Ziel gesetzt, alle Universen zu beherrschen und lässt sie daher kollidieren. Gleich zu Beginn trumpft LEGO mit feinstem Humor auf: Die drei Hauptfiguren verlieren je ihren liebsten Begleiter und purzeln in die Welt des Anderen. Gemeinsam landen Batman, Gandalf und Wyldstyle dann in der Welt des Zauberers von OZ und es wird klar, worauf dieses Spiel hinausläuft: Unendliche Möglichkeiten voller Spaß. Der typische Humor der LEGO-Spiele verschmilzt mit den unterschiedlichen Charakteren der Figuren wie es auch schon der LEGO Movie geschafft hat. Jede Figur hat, wie gewohnt, unterschiedliche Fähigkeiten. Während ich mich also durch die Level prügle um möglichst viele Steinchen zu sammeln, trumpft jedes Einzelne von ihnen mit unfassbarer Detail-Liebe auf. Vom Soundtrack über die Original-Synchronstimmen bis hin zu typischen Phrasen ist wirklich alles geboten.

Bart Simpson auf einem Velociraptor? Kein Problem!
Bart Simpson auf einem Velociraptor? Kein Problem!

Neben der Hauptstory, die 15 Levels à circa einer Stunde Spielzeit umfasst, gibt es die Möglichkeit, jedes Universum zu betreten, sofern man eine Figur davon besitzt und auf das Toy-Pad stellt. Jedes Universum ist als Open World konzipiert und bietet unglaubliche Detailverliebtheit mit vielen kleinen Quests, bekannten Schauplätzen und Charakteren. Von den zusätzlichen Level-Packs sind bisher drei Stück erhältlich, die nochmal zusätzlich rund eine Stunde Spiel-Spaß bringen: Portal 2, Zurück in die Zukunft und die Simpsons, mehr werden im Laufe der Zeit erscheinen.

Vom Spielprinzip her hat sich nicht viel verändert: Man muss verschiedene Rätsel lösen, die speziellen Fähigkeiten der jeweiligen Charaktere einsetzen und kann die umliegende Umgebung zerstören um möglichst viele LEGO-Steinchen zu sammeln. Diese bringen am Ende des Levels natürlich nicht wie gewohnt neue Figuren, dafür jedoch goldene Steine, mit denen ein spezielles Universum freigeschaltet werden kann. Außerdem werden die gesammelten Steinchen als Währung für zusätzliche Fähigkeiten, wie etwa beim Batmobil verwendet und dienen in den jeweiligen Open World Universen als Zahlungsmittel. Die Schwierigkeit der Rätsel reicht von leicht bis mittelschwer, wobei das Toy-Pad mehr bietet als erwartet: Mithilfe des Pads können die Figuren im Spiel verschiedene Zusatz-Fähigkeiten annehmen um die Rätsel zu lösen.

Wer hier kein Herzklopfen bekommt, dem ist nicht zu helfen. © Warner Bros.
Wer hier kein Herzklopfen bekommt, dem ist nicht zu helfen. © Warner Bros.

Spätestens in den einzelnen Leveln wird klar, dass dieses Spiel nicht aus reiner Geldgier von LEGO entstanden ist: Man kämpft sich durch jedes der spielbaren Universen und begegnet dabei allen möglichen Figuren. Dabei besticht abermals die wunderschöne Detailverliebtheit, denn vom Soundtrack über die Synchron-Stimmen bis hin zu den jeweiligen Zeichenstilen wurde auf jede Kleinigkeit geachtet. Hier hat LEGO wirklich alles richtig gemacht, jedes Level macht unendlich viel Spaß und sorgt mit Insider-Gags für nerdige Gänsehaut. Egal, ob ihr euch im Storymodus im Universum der Ghostbusters befindet oder später in alter Batman-Arkham-Manier Rätsel des Riddlers (ja, hier besteht ein Trauma) lösen müsst, ihr könnt euch sicher sein, dass in jedem Level liebevolle Anspielungen, Lacher und Spaß garantiert sind. Dazu bietet die Xbox One-Version die Möglichkeit, gefühlt unendlich Gamerscore zu sammeln und ist grafisch einwandfrei.


Das Spiel ist allein sowie im Couch-Coop spielbar und bis auf die üblichen LEGO-Probleme mit der Kameraperspektive sowie teilweise unübersichtlicher Spielmechanik eine absolute Kaufempfehlung. Einen halben Punkt Abzug in der Endwertung gibt es aufgrund des doch recht hohen Preises und der teilweise starren Spiel - bzw. Perspektivenmechanik.


Wertung:

4,5 von 5 goldenen Lego-Steinchen
4,5 von 5 goldenen Lego-Steinchen

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